Im Kampf gegen den Klimawandel hat die Europäische-Kommission den Vorschlag gemacht, Rechenzentren in den Weltraum zu verlegen. Eine Idee mit längerfristigen Potenzial, meint unser Reporter. Schon jetzt gibt es Lösungen, wie sich die Wärme der Rechenzentren nutzen lässt.

Rechenzentren benötigen viel Strom, grob überschlagen weltweit so viel wie ganz Deutschland inklusive privater Haushalte, Gewebe und Industrie. Musik und Filme werden gestreamt – also übers Netz bei Anbietern wie Amazon, Spotify und Co. abgerufen. Suchabfragen werden verarbeitet und so weiter. Die Clouds tragen somit auch zum CO2-Ausstoß bei.

Digitalisierung als Teil der Lösung gegen Klimawandel

Die Europäische Union hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, um zu prüfen, ob sich Rechenzentren nicht in den Weltraum verlegen lassen. Außerhalb der Erdatmosphäre können sie das Klima nicht mehr belasten. Im All sollen sie Strom von Solarpaneelen erhalten. Dort scheint intensiver und vor allem dauerhaft die Sonne. Die Datenverbindung mit der Erde könnten Laser übernehmen, an denen schon lange auch in Deutschland geforscht wird.

Raumunternehmen aus Frankreich prüft das Vorhaben

Das französische Raumfahrtunternehmen Thales prüft jetzt die Umsetzung. Dass das von der EU geplante Projekt bis jetzt nicht umgesetzt werden konnte hat einen Grund: Die Rechenzentren lassen sich im All nicht einfach in einem großen Maßstab aufbauen. Wie das gelöst werden könnte, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie herausfinden. Darin soll dann geklärt werden, wie die Hardware in den Weltraum kommt, wo sie geparkt wird und wie sie von Robotern gewartet werden kann.

"Die Rechenzentren müssen auch im All gewartet werden. Das müssten Roboter machen, weil es sicher keine Astronauten gibt, die das übernehmen könnten."
Andi Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Selbstverständlich spielen auch Sicherheitsfragen eine wichtige Rolle bei den Überlegungen. Wie ließen sich solche Rechenzentren gegen Angriffe schützen? Andi Noll erklärt, dass Rechenzentren im Weltall ein langfristiges Projekt zum Klimaschutz werden könnten. Er geht davon aus, dass nicht so viel Geld in Machbarkeitsstudien investiert werden würde, wenn die Umsetzung von vornherein ausgeschlossen wäre.

Über kurzfristig umsetzbare Projekte zum Klimaschutz wird schon länger nachgedacht. Beispielsweise sollen Rechenzentren in Klimazonen angesiedelt werden, wo es ohnehin kalt ist. Dann brauchen sie zumindest weniger Strom für die Kühlung. Alle großen IT-Konzerne arbeiten zudem daran, dass ihre Rechenzentren zu 100 Prozent grünen Strom verwenden – Google will das bis 2030 schaffen. Rechenzentren sollen effizienter betrieben werden. "Große Rechenzentren arbeiten in der Regel effizienter als kleine", sagt unser Reporter.

Schon jetzt werden einzelne Rechenzentren in Deutschland genutzt, um Wohnungen zu beheizen. Das Potenzial sei gewaltig, sagt Andi Noll. Gut die Hälfte der Abwärme von Rechenzentren ließe sich demnach fürs Heizen nutzen. Um weniger Energie zu verbrauchen, könnten Ingenieurinnen und Ingenieure noch effizientere Prozessoren bauen.

  • Moderation:  Steffi Orbach
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter