Weltweit gerät der Wasserspeicher aus dem Takt: Immer mehr Regionen verlieren Wasser, auch Deutschland. Satellitendaten zeigen, wie stark sich die Lage verschärft – und warum selbst Regenjahre das Problem nur kurz lindern.

Trinkwasser wird weltweit knapper – das zeigen neue Daten des GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Ein Forschungsteam hat Satellitendaten aus den vergangenen Jahrzehnten ausgewertet. Ergebnis: Während 2009 noch rund drei Viertel der Landflächen Wassermengen im langjährigen Durchschnitt aufwiesen, ist es heute nur noch etwa ein Drittel.

In Deutschland gab es Ende 2025 in den natürlichen Speichern rund 25 Milliarden Tonnen Wasser weniger als 2002, das erste Jahr, in dem die Daten erhoben wurden.

Wasserspeicher meint nicht nur Grundwasser, sondern die gesamte Wassermenge, die im System gespeichert ist, erklärt Wiebke Lehnhoff aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten.

Dazu gehören:

  • Grundwasser tief im Untergrund
  • Bodenfeuchte, also Wasser im Boden
  • Flüsse, Seen und Feuchtgebiete
  • Wasser in Schnee und Eis, etwa in Gletschern

Extreme nehmen laut Forschenden zu

Laut den Forschenden zeigt sich global ein klares Muster: Die Extreme nehmen zu. Die Gesamtspeicherung nimmt nicht überall ab – aber sie verteilt sich immer ungleicher. Besonders auffällig: Der Anteil trockener Regionen hat sich seit 2009 mehr als verdreifacht – von etwa 12 auf über 40 Prozent der Landflächen.

In Deutschland herrscht seit mindestens 2018 eine großräumige Trockenheit. "Eine kleine Erholung gab es 2024, nachdem es mehr geregnet hatte. Dadurch konnten sich unsere Wasserspeicher vorübergehend erholen", führt Wiebke Lehnhoff aus. Doch 2025 habe es wieder deutlich weniger geregnet, zudem sei durch höhere Temperaturen mehr Wasser verdunstet.

"Weil Gletscher schmelzen, werden auch im Norden Europas, besonders in Island, die Wasserspeicher leerer."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Regional gibt es Unterschiede: In Teilen Afrikas, Australiens und Ozeaniens haben die Wasserspeicher zuletzt zugenommen, weil es dort mehr geregnet hat. Im Nahen Ost und Europa gehen sie seit Jahren zurück.

"Verdunstetes Wasser regnet nicht unbedingt über unserem Land ab, sondern oft über dem Meer. Dann ist das quasi weg als Trinkwasser."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Als Haupttreiber gilt der Klimawandel. Höhere Temperaturen sorgen dafür, dass mehr Wasser verdunstet. Wer sich an den Wasserkreislauf aus dem Erdkundeunterricht erinnert, könnte denken: Wasser, das verdunstet, müsste doch irgendwann wieder als Regen zurückkommen. Doch so einfach ist das nicht, sagt Wiebke Lehnhoff. Zum einen komme das verdunstete Wasser nicht dort runter, wo es verdunstet. Zum anderen ist es laut den Forschenden so, dass mehr Wasserdampf in der Atmosphäre bleibt und eben nicht so einfach als Niederschlag wieder auf die Erde fällt.

Shownotes
Klimawandel
Trinkwasser wird auf der Erde seit Jahren knapper
vom 23. März 2026
Moderation: 
Diane Hielscher
Gesprächspartnerin: 
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten
    Quellen des Beitrags: