Die Pole schmelzen und nicht nur die Niederlande haben ein Problem mit dem steigenden Meeresspiegel. Wenn der Klimawandel weiter fortschreitet, werden Deiche wahrscheinlich nicht mehr helfen. Deshalb hatten zwei Forscher eine ungewöhnliche Idee: riesige Dämme um die komplette Nordsee bauen. Ein spannendes Projekt, das aber nicht überall auf Begeisterung stößt.

Sjoerd Groeskamp von der Universität Utrecht wollte sich ein Haus am Meer kaufen. Er ist dann aber zu dem Schluss gekommen, dass ein Heim an der Küste keine gute Idee ist, weil durch den Klimawandel die Meeresspiegel ansteigen. Da es keine Küste gibt, die vor den Folgen des Klimawandels sicher ist, sind der Meereskundler Sjoerd Groeskamp und sein Kollege Joakim Kjellsson vom Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel auf eine ungewöhnliche Idee gekommen.

Hauskauf inspiriert zu Gedankenexperiment

Mit einem Gedankenexperiment wollten sie erkunden, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, die Küsten vor dem Anstieg des Meeresspiegels zu schützen. Die Idee: Megadämme bauen, um die Nordsee vom Atlantik abzuriegeln.

"Die Forscher sagen, dass das eine Herausforderung ist, aber machbar. Eine andere Herausforderung wäre, dass man sehr große Schleusentore in die Dämme einbauen müsste, damit Schiffe noch weiter durchkommen können."
Nele Rößler, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten
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Das Szenario sieht vor, dass zwei Dämme gebaut werden. Einer zwischen der Bretagne und Cornwall, der den Ärmelkanal abriegeln soll. Dieser Damm wäre 162 Kilometer lang.

320 Meter tiefen Graben mit einem Damm verschließen

Noch aufwendiger wäre der zweite Damm, der gebaut werden müsste: Der würde dann Großbritannien mit Norwegen verbinden. Dieser Damm müsste zwischen den Orkney- und den Shetland Inseln bis nach Bergen verlaufen. Dafür müsste ein 320 Meter tiefer Graben mit einem Damm verschlossen werden, der vor der Westküste von Norwegen liegt – der Norwegische Meeresgraben.

Nordsee mit Dämmen abriegeln: technisch machbar und bezahlbar

Die Forscher haben die Kosten für das Megaprojekt errechnet: Sie lägen bei 250 bis 500 Milliarden Euro. Trotz des hohen Betrags sagen die Forscher, dass die Kosten vertretbar seien. Sie haben berechnet, dass die 15 Nordseeanrainerstaaten im Schnitt ungefähr 0,1 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts investieren müssten, um die Dämme zu bauen.

Durch Zusammenarbeit geringere Kosten für einzelne Länder

Die Länder, die am stärksten vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein werden, könnten mit circa 0,3 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts rechnen. Die Forscher empfehlen, allen betroffenen Nationen zusammenzuarbeiten, weil die Kosten dadurch geringer würden, als wenn jedes einzelne Land Vorkehrungen treffen würde, um seine Küsten zu schützen.

Zu große Auswirkungen auf die Umwelt

Obwohl es für die Länder, die an die Nordsee angrenzen, finanziell empfehlenswert ist, sich für solch ein Projekt zusammenzuschließen, raten die Forscher trotzdem davon ab, diese Dämme zu bauen. Denn die ökologischen Folgen auf die Nordsee und ihr Ökosystem wären zu extrem.

"Die Forscher raten von dem Projekt ganz vehement ab. Das hat Joakim Kjellsson vorhin am Telefon auch noch einmal betont."
Nele Rößler, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Ökologische Auswirkungen von Megadämmen

Das Gedankenspiel der beiden Forscher hätte weitreichende Konsequenzen, würde es realisiert: Die Gezeiten würden wegfallen, Ebbe und Flut gäbe es dann nicht mehr. Das Wasser der Nordsee würde kälter werden, weil kein warmer Zustrom vom Atlantik mehr kommt. Dadurch würden viele Fischarten verschwinden.

Nordsee würde zur Süßwasserlagune werden

Langfristig würden die Nordsee und damit auch die Ostsee zu Süßwasserlagunen werden. Das liegt daran, dass zu wenig Salzwasser vom Atlantik einfließt und mehr Wasser von den Flüssen ins Meer fließt. Auch Pumpen könnten das Problem nicht lösen: Um den Einstrom des Flusswassers auszugleichen, müsste man 40.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus der Nordsee in den Atlantik pumpen. Die leistungsfähigsten Pumpwerke schaffen im Moment gerade mal ein Achtzigstel davon.

Klimaziele einhalten

Statt dieses Megadamm-Projekts, das sich zwar finanziell rechnen würde, aber ökologisch katastrophale Folgen hätte, empfehlen die Forscher den Nationen, vereinbarte Klimaziele einzuhalten, um das Ansteigen der Meeresspiegel zu begrenzen.

"Die Menschen müssten die Klimaziele einhalten, damit der Meeresspiegel nicht weiter steigt. Dazu raten auch die Forscher."
Nele Rößler, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten