Die Bierwerbung ist voller Stereotypen: Die Frau darf das Bier bringen oder ihr Rücken dient als Flaschenablage. Aber trinken? Lisa Wiedemuth war genervt von der oft sexistischen Werbung. Nun macht sie Bierlabel für alle und will diskutieren.

Lisa Wiedemuth ist beim Verein Quartiermeister für Kommunikation und Förderung zuständig. Die Organisation verkauft Bier und aus den Gewinnen werden soziale Projekte gefördert.

Drei Flaschen der Sorte Quartiermeister*in. Auf den Labeln sind weibliche Konterfeis abgebildet.
© Daniela Schäfer
Jetzt bekommen die Bierflaschen neue Labels. 50 zu 50: männliche und weibliche Konterfeis.

Mit einer Kampagne will der Verein auf Sexismus in der Werbung, vor allem in der Bierwerbung aufmerksam machen. Auf den Labeln der Bierflaschen werden künftig zu 50 Prozent Frauen zu sehen sein. Die männlichen und weiblichen Konterfeis werden mit einem Gendersternchen versehen. "Aber wir wollen nicht nur den Zeigefinger erheben", sagt Lisa. Vor allem wollen sie diskutieren. 

"Wir wollen ausloten, was sind eigentlich die Grenzen zwischen Geschmacklosigkeit und Diskriminierung."
Lisa Wiedemuth vom Verein Quartiermeister*in

Teil der Kampagne ist deshalb auch ein Blog, auf dem einzelne Aktivisten und Organisationen zum Thema schreiben.

Auf anderen Webseiten wird schon heftig über die Kampagne diskutiert. "Das ist ein Thema, da sind große Aggressionen in der Luft", sagt Lisa. Viele finden, dass Werbung einfach auch überschätzt werde. Man könne miese Werbung ausblenden und einfach wegschauen. Aber Lisa glaubt nicht, dass das funktioniert.

"Wir sehen pro Tag ungefähr 3000 Werbeflächen. Mir kann keiner erzählen, dass das keine Auswirkungen auf unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung hat."
Lisa Wiedemuth vom Verein Quartiermeister*in

Der Verein selbst schaltet keine Werbung - weder in Printmedien noch im öffentlichen Raum. Sie setzen auf das Netz, um auf sich aufmerksam zu machen. Das hängt auch damit zusammen, dass es kein großes Marketing-Budget gibt. Denn die Gewinne sollen ja in soziale Projekte fließen.