In Deutschland gibt es immer mehr Knastshops. Die Strafgefangenen arbeiten zu Konditionen, zu denen draußen niemand mithalten kann.

"Die Produktpalette reicht von Möbelstücken und Wohnaccessoires über Leder- und Metallwaren bis hin zu Holzspielzeug für Groß und Klein. Sämtliche Produkte entstehen in sorgfältiger Handarbeit und zeichnen sich durch hochwertige Materialien sowie erstklassige Qualität aus."

Hört sich an wie aus dem Manufactum-Katalog - kommt aber aus dem Knast, aus einer Beschreibung von haftsache.de, einem Online-Shop. in dem Sachen verkauft werden, die Strafgefangene in bayerischen Gefängnissen hergestellt haben. Im Laufe des Tages (2. Februar 2017) soll die Seite haftsache.de freigeschaltet werden und der Online-Shop starten.

Ähnliche Läden gibt es schon

Bisher sind nur die Kategorien zu sehen: Sie reichen von "Garten" und "Küche" über "Schuhe" bis zu "Taschen". Trotzdem lässt sich ganz gut einschätzen, was es im Knastshop zu kaufen geben wird - weil es in anderen Bundesländern schon ähnliche Läden gibt: Niedersachen hat so einen Online-Shop schon seit Längerem, Hamburg und Brandenburg genauso, sagt DRadio-Wissen-Reporter Jörg Brunsmann. Ziemlich bekannt ist auch knastladen.de aus Nordrhein-Westfalen, der schon seit fast zehn Jahren online ist.

Eine Mischung aus Möbelhaus und Krims-Krams-Laden

Meist wirkt das Ganze wie eine Mischung aus Möbelhaus und Krims-Krams-Laden. Kunden finden zum Beispiel den Weihnachtsengel "Gloria" für 9,60 Euro oder das Meerschweinchenhaus "Schnutenhüttli" aus Drei-Schicht-Fichtenholz für 21,90 Euro.

Einer der Bestseller ist das "Grillgerät Herford", ein massiver Standgrill. Er wiegt 35 Kilo und kostet 220 Euro und wird in der in der JVA Herford gebaut, deswegen auch der klangvolle Name. Das ist auch das Besondere bei knastladen.de. Der Shop bietet Sachen aus allen Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen an - so kommen alles in allem mehr als 1000 verschiedene Produkte zusammen.

Zwei Millionen Euro Umsatz

Die Betreiber versichern, dass alles von Knastinsassen hergestellt wird. Die Rohstoffe werden angeliefert, aber die gesamte Arbeit - beim Grill zum Beispiel der Bau, das Schweißen und so weiter - erledigen Strafgefangene, erklärt Jörg Brunsmann. Und das läuft offenbar gut: In Nordrhein-Westfalen wurde 2015 mit dem Online-Shop ein Umsatz von rund zwei Millionen Euro erzielt - Geld, das dem Land zugutekommt.

Die Strafgefangenen bekommen zwischen 9,41 Euro und 15,69 Euro - allerdings pro Arbeitstag und nicht pro Stunde. Das ist legal, weil im Gefängnis Arbeitspflicht gilt. Der Lohn ist gesetzlich festgelegt, es gibt fünf Vergütungsstufen. Und dazu kommt: Die Justizverwaltung sieht diese Online-Shops ganz klar als Teil der Resozialisierung.

"Es geht bei den Knastshops darum, den Strafgefangenen zu zeigen: das, was ihr hier an Arbeit macht, das wird auch tatsächlich gekauft."
Jörg Brunsmann, DRadio Wissen

Klar ist aber auch: Zu solchen Konditionen kann kein regulärer Unternehmer produzieren, wenn er nicht gerade Mitarbeiter zu Niedrigstlöhnen in Asien beschäftigt. Auch den Strafgefangenen scheint das gegen den Strich zu gehen. Sie haben eine eigene Gewerkschaft gegründet und fordern den gesetzlichen Mindestlohn. Das Problem: Sie bekommen wenig Rückendeckung.

Jörg Brunsmann hat den Eindruck, dass hier in einem Graubereich produziert wird, weil sich für die Strafgefangenen niemand richtig zuständig fühlt.

Und dann ist da noch der Umstand, dass die Produkte aus dem Knast gesamtwirtschaftlich keine große Rolle spielen: Für einen Umsatz von zwei Millionen, wie ihn der NRW-Knastshop erzielt, braucht Ikea in Deutschland gerade mal fünf Stunden, rechnet Jörg Brunsmann vor. Bei solchen Summen wolle sich niemand in die Nesseln setzen und sich gegen das Konzept der Resozialisierung von Strafgefangenen positionieren.