Wie verbreitet sich Wissen in der Welt? Dieser Frage sind drei Wissenschaftler nachgegangen und sie kommen zu dem Schluss, dass Geschäftsreisen eine große Rolle spielen. Aktuell sei zu erkennen, dass eine Pandemie die Weltwirtschaft stark beeinflusst, weil weniger geflogen – und damit weniger Know-how in der Welt verbreitet wird.

Seit längerem schon untersuchen drei Wissenschaftler des Havard Growth Lab, wie auf der Welt Know-how weitergegeben wird. Dabei haben sie bereits herausgefunden, dass Wissen grundsätzlich durch drei Kanäle verbreitet wird:

  • Durch Werkzeuge oder Maschinen, die entwickelt und verkauft werden
  • Durch festgehaltenes Wissen in Büchern, Formeln, Bedienungsanleitungen oder Algorithmen
  • Durch Menschen, die ihr Wissen mit sich tragen

Vor allem die Wissensweitergabe von Mensch zu Mensch ist nach Ansicht der Forscher sehr wichtig. Wir können uns zwar viele Dinge theoretisch aneignen, sie allerdings auch zu verstehen, geht immer besser, wenn Expertinnen oder Experten einem dabei helfen, sagen die Wissenschaftler. Doch dieser Lernprozess dauert meist sehr lange. Die Idee der Forscher war deshalb zu analysieren, wie sich Fachleute auf dieser Welt bewegen und ihr Wissen weitergeben. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Nature Human Behaviour veröffentlicht.

Geschäftsreisen als Indikator

Für ihre Studie haben sich die Wissenschaftler die Jahre zwischen 2011 und 2016 genauer angesehen. In diesem Zeitraum haben Firmen weltweit 1,5 Billionen US-Dollar pro Jahr für Geschäftsreisen ausgegeben – Tendenz steigend. Mithilfe anonymisierter Daten einer Kreditkartenfirma, mit der die Fachleute beispielsweise ihre Hotelzimmer bezahlt hatten, konnten die Wissenschaftler eine Art globales Netzwerk der Geschäftsreisen erstellen. So konnten sie zum Beispiel sehen, welches Land am meisten Fachleute in die Welt schickt: Deutschland.

Aus Deutschland kommen die meisten Fachleute

Sie konnten nämlich beispielsweise mit verschiedenen Wirtschaftsdaten nachvollziehen, dass Geschäftsleute aus der deutschen Autoindustrie in ein anderes Land gereist sind und infolge dessen der Wirtschaftssektor Auto in diesem Land wuchs. Weitere Länder, die viele Fachleute in die Welt schicken, sind Kanada und die USA. Länder, die eher Fachleute empfangen, sind vor allem Österreich, Irland und die Schweiz.

Wissen nicht gleichmäßig verteilt

Die Wissenschaftler fanden allerdings auch heraus, dass nicht alle Länder gleichmäßig vom Wissensfluss profitieren. Oft schicken reiche Länder ihre Fachleute wiederum nur in reiche Länder. Auch die Länder, die beispielsweise nah an einem Land mit vielen Fachleuten liegen, profitieren überproportional von deren Wissen, sagt Frank Neffke, einer der beteiligten Wissenschaftler und Direktor des Growth Lab der Havard University im Podcast des Growth Lab.

"Nicht alle profitieren gleichmäßig vom Wissensfluss. Vor allem reiche Länder schicken ihre Fachleute wieder in reiche Länder."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Entwicklungsländer, Länder, die eine ungünstige Lage haben oder auch komplizierte Visabestimmungen aufweisen, haben also weniger Chancen, etwas vom Know-how der Welt abzubekommen. Anhand des Netzwerks konnte man laut Frank Neffke außerdem ablesen, dass reiche Länder immer reicher werden.

Die Folgen eines Wissensfluss-Stopps

Auch, wenn das Wissenschafts-Trio während seiner Datensammlung- und analyse noch nichts von der Corona-Pandemie ahnte, hat es dennoch durchgespielt, was passieren würde, wenn Länder wie Deutschland von heute auf morgen keine Fachleute mehr in die Welt schicken würden.

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Im Fall von Deutschland würde laut Frank Neffke die Weltwirtschaft um bis zu fünf Prozent zurückgehen.

"If Germany stopped sending business travelers abroad, we estimate that the global economy might shrink by up to five Precent."
Frank Neffke, Direktor des Growth Labs der Havard University

Die Forschenden sammeln derzeit weiter Daten, um danach analysieren zu können, was eine Pandemie wie die jetzige für den Transfer von Know-how weltweit bedeutet.