Nach den Bierbrauern leiden in Großbritannien gerade auch die fleischverarbeitenden Betriebe unter einem Mangel an Kohlendioxid. Eigentlich total absurd, weil es doch eigentlich immer heißt, es sei zu viel davon in der Luft. Wir klären, was es damit auf sich hat.

Das Kohlendioxid wird knapp, hören wir gerade aus Großbritannien. Für die britische Regierung hat die Versorgung von Krankenhäusern und Feuerlöschern (CO2 wird benötigt, damit der Löschschaum rauskommt) Priorität. Deshalb haben Unternehmen, die Kohlendioxid zu Produktionszwecken nutzen, das Nachsehen. Kohlendioxid wird benötigt:

  • als Gas zur Betäubung der Tiere in Schlachthöfen vor der Tötung
  • als Gas, das der Verpackung zugesetzt wird, um die Haltbarkeit des Fleisches zu verlängern
  • als Kohlensäure, etwa für sprudelnde Getränke

Nicht genug qualitatives CO2

Walter Leitner, Professor für Technische Chemie an der RWTH Aachen, stellt klar: Einen generelln CO2-Mangel gibt es nicht. Der Energiesektor kämpfe ja eher mit der Reduktion der CO2-Emission.

Was gerade passiere, sei etwas anderes: Einer speziellen Lieferkette, nämlich der Getränke- und Lebensmittelindustrie, könne der Markt gerade nicht ausreichend CO2 einer bestimmten Qualität zur Verfügung stellen.

"Es geht uns nicht das CO2 aus. Nur eine besondere Anwendung hat gerade - insbesondere in England - Schwierigkeiten."
Walter Leitner, Professor für Technische Chemie an der RWTH Aachen

Um an CO2 heranzukommen, zapfe etwa die Getränkeindustrie bestimmte Quellen in Industrieprozessen an:

  • Hersteller von Düngemitteln
  • Verbrenner fossiler Brennstoffe zur Energiegewinnung
  • Zement- und Stahlindustrie

CO2-Aufbereitung nötig

Die Getränkeindustrie habe in diesen Bereichen ausgewählte Partner, erklärt Leitner: Firmen, die Düngemittel herstellen, würden zum Beispiel CO2 aus den bei der Produktion entstandenen Gasen herauswaschen und dann in komplexen chemischen Prozessen aufbereiten. Damit belieferten sie dann die Getränkeindustrie.

Die Getränkeindustrie könne zudem auch eine große Menge des CO2, das bei ihren eigenen Produktionsprozessen anfällt – etwa das, was bei der Fermentation beim Bierbrauen entsteht – selbst weiterverwenden. Zugekauft werden müsse CO2 aber trotzdem.

CO2 aus der Luft holen?

Die CO2-Aufbereitung habe einen gewissen Preis, so Leitner. Außerdem machten die technischen Prozesse manchmal Probleme. Oder einer der Düngemittelhersteller, der Verträge mit der Getränkeindustrie geschlossen hat, fahre die Produktion seiner Düngemittel im Sommer ein wenig zurück. Dazu kämen Faktoren wie der steigende Bierkonsum in England während der FIFA WM – und das alles zusammen sorge dann eben manchmal für Engpässe in der Lieferkette.

Wir Menschen atmen permanent Kohlendioxid aus. Das CO2 aus der Luft herauszufiltern und es dann in Gasflaschen zu füllen, sei im Moment noch keine Option, sagt Leitner.

"CO2 aus der Luft zu holen ist noch mal aufwendiger, weil die Konzentration dort doch ziemlich niedrig ist."
Walter Leitner, Professor für Technische Chemie an der RWTH Aachen

Die RWTH Aachen untersucht aktuell Möglichkeiten zur Nutzung von CO2 als Rohstoff für die Chemieindustrie, etwa zur Herstellung von Treibstoffen oder im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien. 

Im Moment greift sie dafür aber noch vermehrt auf die oben erwähnten Quellen in Industrieprozessen zurück. "Wir nutzen erstmal das CO2, was aus diesen Prozessen zur Verfügung steht", erklärt Leitner.

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