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Viel Aufregung gibt es um einen Lokalpolitiker in Namibia, der mit 85 Prozent der Stimmen gewählt worden ist. Er heißt Adolf Hitler, mit Nachnamen Uunona. Die deutschen Namen kommen aus der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia. Damit haben die Deutschen den schwarzen Menschen die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Namen genommen.

Adolf Hitler Uunona ärgert sich darüber, dass er wegen seines Vornamens zum Medienthema wurde. Den habe ihm sein Vater gegeben. Erst als Teenager habe er erfahren, wer Adolf Hitler eigentlich war. Vorher war das für ihn ein ganz normaler Name. Über die Aufregung, die sein Name verursacht, wolle er nicht weiter sprechen, hat er der Nachrichtenagentur AP gesagt. Das würde seinem Land nicht helfen, für das er Politik machen will. Adolf Uunona ist Lokalpolitiker und gehört der Regierungspartei Swapo an.

Deutsche Namen schwarzer Menschen im Kontext der Kolonialgeschichte

Gerade hier in Deutschland ist das eine Meldung, an der wir hängen bleiben. Deshalb ist es wichtig, näher auf sie und die Situation in Namibia zu schauen und die Nachricht richtig einzuordnen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz.

Auch der Historiker Jürgen Zimmerer von der Universität Hamburg ärgert sich, weil viele Medien diese Einordnung nicht gemacht hätten und nur auf die Sensation aus waren, die der Name verursacht. Es entstünde der Eindruck, die Menschen in Namibia hätten einen Fehler gemacht und tickten nicht ganz richtig, weil sie einen Politiker wählen, der Adolf Hitler heiße.

Das Thema Namen von schwarzen Menschen in Namibia ist eng mit der deutschen Kolonialgeschichte verknüpft, sagt Jürgen Zimmerer. Er forscht schon lange zu den Kolonialverbrechen der Deutschen in Namibia und dem durch Deutsche begangenen Völkermord an der Gruppe der Herrero und Nama zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Deutsche Namen werden bis heute weitergegeben

Viele schwarze Bürgerinnen und Bürger in Namibia tragen deutsche Namen, sagt auch Manuel Möglich. Er ist Journalist und hat Namibia 2013 und 2014 bereist, um die noch immer existierenden deutschen Gemeinden zu besuchen. Während seiner Reise hat er viele schwarze Landarbeiter getroffen, die zum Beispiel Hans heißen.

Diese Tatsache erklärt Jürgen Zimmerer damit, dass weiße Siedler in Namibia, die bis heute von der Landenteignung der schwarzen Bevölkerungsgruppen profitieren, sehr oft die schwarzen Arbeiter und Arbeiterinnen auf ihren Farmen umbenannt haben, weil ihnen die ursprünglichen Namen zu kompliziert waren. Damit hätten sie ihnen aber auch die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Namen genommen.

"Die schwarzen Arbeiter haben reihenweise deutsche Namen bekommen. Das ist nicht der Beweis dafür, dass sie die Deutschen so toll finden, sondern dafür, dass sie sogar die Verfügungsgewalt über ihre Namen verloren haben."
Jürgen Zimmerer, Historiker

Die wirtschaftliche Ungleichheit hält bis heute an. Davon sind vor allem Gruppen der Herrero und Nama betroffen, die Opfer des Völkermords der deutschen Kaisertruppen waren. Herrero und Nama wurden damals auch enteignet. Noch heute leben sie zum größten Teil landlos und sehr arm.

Herrero und Nama bis heute strukturell benachteiligt

Politisch ist aber in diese strukturelle Benachteiligung der Herrero und Nama jetzt Bewegung gekommen. Das zeige sich auch an den Kommunalwahlen, meint Jürgen Zimmerer, bei denen ja auch Adolf Hitler Uunona in sein Amt gewählt wurde.

Seit der Unabhängigkeit Namibias von Südafrika im Jahr 1990 hat eigentlich die Partei South-West Africa People's Organisation (Swapo - zu Deutsch Südwestafrikanische Volksorganisation) das politische Monopol im Land. Die Swapo hat gegen die Besetzung durch Südafrika gekämpft und damit gleichzeitig gegen die Apartheid, die Südafrika eingeführt hatte. Die Apartheid hat die Vormachtstellung der weißen Siedler weiter zementiert.

Die Swapo hat es in den vergangenen 30 Jahren nicht geschafft, eine Landreform durchzusetzen, von der die Landlosen in Namibia profitiert hätten. Bei den jetzigen Kommunalwahlen verzeichnen deshalb Oppositionspolitiker Erfolge, einer von ihnen hat sogar die Wahlen in der Hauptstadt Windhoek gewonnen.

Jürgen Zimmerer hält das für eine gute Entwicklung hin zu mehr politischer Vielfalt und Demokratie und weg von der Ein-Parteien-Politik.