Prinz William und seine Frau Kate waren in Belize, Jamaika und auf den Bahamas. Geplant, um die Beziehungen zu den Ländern zu verbessern, wurde der Karibiktrip von viel Kritik überlagert: Viele Menschen haben eine offizielle Entschuldigung und Entschädigungszahlungen der früheren Kolonialmacht gefordert.

Die drei Karibikstaaten Bahamas, Belize und Jamaika sind frühere britische Kolonien. Bis heute gehören sie aber noch zu den "Commonwealth Realms" – es sind souveräne Staaten, in denen aber offiziell immer noch Queen Elizabeth als repräsentatives Staatsoberhaupt fungiert.

Offizielle Entschuldigung gefordert

Zum Beispiel in Jamaikas Hauptstadt Kingston, aber auch in Belize und auf den Bahamas gab es Proteste gegen die frühere Kolonialmacht. In den Zeiten des Kolonialismus wurden – über Jahrhunderte – Millionen Menschen aus ihrer Heimat verschleppt und mussten als Sklaven arbeiten, viele weitere starben schon vorher. Die Forderung lautet: Das Königreich muss sich offiziell dafür entschuldigen – und den ehemaligen Kolonien Entschädigungen zahlen.

"Slavery was abhorrent – and it should never have happened."
Prinz William bei einer Rede auf Jamaika

In einer Rede hat William gesagt, die Sklaverei sei abscheulich gewesen und hätte nie stattfinden dürfen. Zu Reparationszahlungen hat er sich aber nicht direkt geäußert. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Royals mit der Tagespolitik der britischen Regierung am Ende nichts zu tun haben, sagt Nik Pothoff von Deutschlandfunk Nova.

Kritik auch an aktuellen Bildern

Die Reise hat aber auch für Kritik gesorgt wegen Bildern, die jetzt, also im Jahr 2022, vor Ort entstanden sind: Da waren etwa schwarze Kinder zu sehen, die Kate und William ihre Hände durch einen Maschendrahtzaun entgegenstrecken. Oder Prinz William in Uniform auf einer Militärparade in Kingston, auf einem alten Land Rover stehend (unser Bild oben). Das erinnerte viele Beobachtende eher an die Kolonialzeit.

Die Beziehungen zwischen dem britischen Königshaus und den ehemaligen Kolonien zu stärken, hat also nicht wirklich geklappt. Im Gegenteil: Der jamaikanische Ministerpräsident Andrew Holness hat William und Kate mitgeteilt, dass sein Land nach der vollständigen Unabhängigkeit von der britischen Krone strebt. Die Wahl in Jamaika hatte Holness 2020 unter anderem gerade auch mit diesem Versprechen gewonnen.

"We support with pride and respect your decisions about your future. Relationships evolve, friendship endures."
Prinz William bei einer Rede auf den Bahamas

Auf Jamaika hatte das royale Paar zunächst recht passiv auf die Zielformulierung des Ministerpräsidenten reagiert. Auf den Bahamas hat William den Karibikstaaten dann aber Unterstützung bei solchen Plänen zugesagt: "Beziehungen entwickeln sich weiter, Freundschaften bleiben erhalten."

Nachdenken über die Zukunft des Königshauses

William und Kate mussten auf ihrer Reise einiges einstecken. Kurz vor der Abreise hat William ein Statement veröffentlicht – und darin deutlich gemacht, dass man über die Zukunft des Königshauses nachdenken müsse: "Ich weiß, dass diese Tournee die Fragen nach der Vergangenheit und der Zukunft noch schärfer in den Mittelpunkt gerückt hat.“

Britische Medien berichten nun, dass William, die Nr. 2 in der Thronfolge nach seinem Vater Charles, jetzt einiges ändern wolle, um die Monarchie auch für jüngere Generationen relevant zu halten.

Zum einen dadurch, dass das Königshaus nicht mehr so viel Geld ausgibt und nicht mehr so prunkvoll in Erscheinung tritt. Im Jahr 2020 hat die Königsfamilie die Bevölkerung rund 100 Millionen Euro gekostet. Zum anderen wolle William das Königshaus diverser machen. Und: Er wolle mehr reagieren und kommunizieren. Genau das würde mit einem Stilmittel von Queen Elizabeth brechen, das man in England "never complain, never explain" nennt. Niemals beschweren, niemals erklären.

"William will wohl eine Rundumerneuerung des Königshauses, um relevant zu bleiben. Aber: Noch ist er nicht König. Und die britische Monarchie ist jetzt nicht gerade dafür bekannt, sich gerne und häufig neu zu erfinden."
Nik Pothoff, Deutschlandfunk Nova

Was positiv klingt, ist vor allem notwendig, sagt Nik Pothoff von Deutschlandfunk Nova. Zum einen gibt es die Vorwürfe gegen Prinz Andrew wegen sexueller Übergriffe. Williams Bruder Harry und dessen Frau Meghan haben sich bereits von der Familie gelöst und hatten Rassismusvorwürfe geäußert. Und jetzt erleben Kate und William auch in den anderen Commonwealth-Staaten Kritik.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Nik Potthoff, Deutschlandfunk Nova