Ein Jahr nach dem Friedensvertrag bleibt die Lage in Kolumbien angespannt. Die Entwaffnung der Farc-Rebellen war erfolgreich. Der Drogenhandel aber boomt wie zuletzt vor 20 Jahren.

Vor gut einem Jahr unterzeichneten Kolumbiens Präsident Santos und Rebellenführer Timoshenko den Vertrag, der 50 Jahre Bürgerkrieg beenden sollte. Doch die Wähler akzeptierten den Text nicht, der Präsident und die Farc-Rebellen mussten eilig nachbessern und einen zweiten Vertrag unterschreiben.

Ein Jahr nach dem Friedensvertrag ist nun klar: Nicht nur auf dem Weg zum Abkommen, sondern auch auf dem Weg zum Frieden selbst liegen Hindernisse und Stolpersteine, mit denen niemand gerechnet hatte.

"Der Kongress hat noch nicht einmal mit den Debatten über die versprochene Landreform begonnen."
Ivo Marusczyk, Deutschlandfunk Nova

Die Abgabe der Waffen an die Vertreter der Vereinten Nationen war glaubwürdig. "Sie hätten viele Waffen in gutem Zustand erhalten", bestätigt Jean Arnault, Leiter der UN-Mission in Kolumbien. 

In vielen Regionen des Landes gibt es seither weniger Morde und Vertreibungen, weniger Opfer von Landminen und weniger Entführungen. "Damit hat sich Einiges zum Guten geändert", erklärt unser Südamerika-Korrespondent Ivo Marusczyk.

"Heute wird auf einer Fläche von 140.000 Hektar Koka angebaut."
Ariel Ávila, Stiftung Frieden und Versöhnung

Zuletzt gab es aber vor allem schlechte Nachrichten aus Kolumbien, denn heute wird wieder auf einer Fläche von 140.000 Hektar Koka angebaut. Das ist fast das gleiche Niveau wie im Jahr 1996. Das bedeutet: 21 Jahre nachdem der so genannte "Plan Colombia", der Krieg gegen Drogen, ausgerufen wurde, steht das Land wieder am Anfang. "Das zeigt, dass dieser Krieg gegen Drogen in einer ernsten Krise steckt", so der Konfliktforscher Ariel Ávila.

Kaffee und Kakao statt Koka

Der Staat will die Bauern dazu bringen, statt Koka andere Pflanzen anzubauen: Kaffee, Bananen, Yuca oder Kakao. Und er fördert diese Ersatzpflanzungen - mit Subventionen, aber auch mit Armeeeinsätzen gegen Kokaplantagen. Die Bauern wehren sich dagegen. Ein Kampf, der immer häufiger in Gewalt ausartet. 

"Der Staat muss uns eine echte Alternative anbieten. Sonst geben wir den Kokaanbau nicht auf. Sollen sie uns doch umbringen."
Miguel Mangos, Kokabauer aus dem Dorf La Paz im Amazonas-Tiefland

In der Region Tumaco an der Pazifikküste wurden im Oktober sieben Kleinbauern erschossen, die gegen die Vernichtung der Koka-Felder protestierten. Diese Vorkommnisse rufen wiederum die Guerillabewegung Eln auf den Plan. Im Gegensatz zu den Farc hat diese Rebellengruppe noch keinen Friedensvertrag mit der Regierung abgeschlossen.

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Seit dem Beginn des Friedensprozesses wurden in Kolumbien rund 200 Menschen ermordet. Denn der Staat hat das Machtvakuum nach dem Abzug der Rebellen nicht ausgefüllt. Jetzt haben in einigen Regionen Drogenbanden, andere Rebellengruppen oder abtrünnige Farc-Kämpfer das Sagen.

Im März wählen die Kolumbianer ein neues Parlament und im Mai einen neuen Präsidenten. Dann könnte es passieren, dass rechtskonservative Kräfte um Ex-Präsident Uribe das Rad der Geschichte noch ein Stück weiter zurückdrehen.