Clarissa Vogel wird in ihrer Kindheit von ihrem Stiefopa sexuell missbraucht. Das hört erst auf, als der Täter stirbt. Da ist Clarissa 12. Erst als sie sich mit 18 zum ersten Mal verliebt, fängt sie an darüber zu sprechen. Clarissa will gerne so leben, wie viele Menschen in ihrer Umgebung - studieren, arbeiten, sich mit Freund*innen treffen, sich verlieben. Doch sie ist schwer traumatisiert.

Clarissa macht Abitur, studiert Sozialpädagogik und lebt mit ihrem Freund Sebastian zusammen. Ihren Eltern hat sie zusammen mit Sebastian von dem Missbrauch erzählt.

"Meine Mutter konnte damit gar nicht umgehen. Sie ist aufgesprungen, ist zu meinem Vater gerannt, und hat ihn angeschrien: Hast du das gewusst? Wusstest du, was da passiert ist?"
Clarissa über den Moment, als sie ihren Eltern vom Missbrauch erzählt

Clarissas Vater gibt nach in dem Gespräch zu, dass er nach dem Tod des Täters beim Aufräumen eindeutige Fotos gefunden habe, die er dann aber vernichtet hat. Clarissas Mutter trennt sich von ihm. Clarissa hat bis heute keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater.

Clarissa verdrängt den Missbrauch

Sie beendet ihr Studium und arbeitet danach in einer Beratungsstelle für Wohnungslose. In der ganzen Zeit schafft sie es den Missbrauch zu verdrängen. Doch eines Tages wird sie bei der Arbeit von einem Klienten angegriffen. Er würgt sie und drückt sie zu Boden. Bei Clarissa kommt alles wieder hoch.

Sie geht in eine psychiatrische Klinik und spricht dort zum ersten mit Therapeut*innen und anderen Betroffenen über ihre Missbrauchserfahrung.

"Ich glaube, das war das erste Mal, dass mich wirklich jemand weinen gesehen hatte. Aber nicht, dass ich traurig war, ich war total glücklich! Ich war nicht mehr alleine. Wir kämpfen gegen dasselbe."
Clarissa trifft in der Klinik andere Betroffene

Irgendwann fängt sie an ihre Erfahrungen auf einem Blog zu verarbeiten, in Form von Gedichten. Für Clarissa ist das eine riesige Erleichterung. Mittlerweile hat sie auch ein Buch darüber geschrieben (Manchmal konnte ich vor Angst nicht atmen: Zehn Jahre missbraucht und gepeinigt. Mein Weg in ein glückliches Leben - erschienen bei Bastei Lübbe).

Die ganze Geschichte hört ihr hier oder im Podcast.

Wir erzählen Eure Geschichten

Habt ihr auch eine Geschichte erlebt, die in die Einhundert passt? Dann erzählt uns davon. Storys für die Einhundert sollten eine spannende Protagonistin oder einen spannenden Protagonisten, Wendepunkte und ein unvorhergesehenes Ende haben. Wir freuen uns über eure Mails an einhundert@deutschlandfunknova.de

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