In Flensburg und Heidelberg belegt nicht eine einzige Frau eine Führungsposition in kommunalen Unternehmen. In Offenbach am Main ist das ganz anders – weil das vor Jahren so entschieden wurde.

Dass die Wirtschaft immer noch männerdominiert ist, ist keine neue Erkenntnis. Das gilt auch für kommunalen Betriebe – also etwa Krankenhäuser, Pflegeheime, Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe, Nahverkehrsunternehmen oder Garten- und Landschaftsbaubetriebe.

Nach einer Auswertung der Zeppelin-Universität Friedrichshafen sind Frauen im Management kommunaler Firmen weiter unterrepräsentiert: Im Schnitt ist nur jede fünfte Leitungsposition mit einer Frau besetzt. Bei den Neubesetzung von vakanten Positionen liegt der Frauenanteil auch nur geringfügig höher, nämlich bei 22 Prozent.

Flensburg, Heidelberg und andere: Keine Frau in Führungsposition

In einigen Städten geht der Frauenanteil in Managementpositionen kommunaler Unternehmen sogar zurück. Im Bereich Gesundheit und Soziales ist der Frauenanteil am höchsten, so die Untersuchung.

In den Unternehmen der Städte Flensburg, Heidelberg, Neunkirchen und Bitterfeld-Wolfen gab es im Untersuchungszeitraum März/April 2020 keine einzige weibliche Führungskraft. Doch es gibt auch andere Beispiele: In Offenbach am Main (130.000 Einwohner) sind mehr als die Hälfte aller Toppositionen in kommunalen Betrieben von Frauen besetzt.

″Die Menschen in Offenbach wollen einfach, dass der Laden läuft und die Arbeit gut erledigt wird.″
Peter Freier, Bürgermeister von Offenbach

Dass sich die Situation in Offenbach so stark von denen in anderen Städten unterscheidet, liegt an politischen Entscheidungen: Vor über zehn Jahren hat die Frauenbeauftrage der Stadt Statistiken ausgewertet und daraufhin Veränderungen angestoßen.

Die wichtigste Regel, die die Kommunalpolitik beschlossen hat: Bei gleicher Eignung wird eine Frau bevorzugt. "Das wurde dann auch konsequent umgesetzt", sagt Peter Freier, Bürgermeister der Stadt Offenbach.

Gleichstellung im Management lässt sich politisch steuern

Nach Einschätzung von Peter Freier war es demnach auch kein Zufall, dass Offenbach seit Jahren zu den führenden Städten gehört, was die Gleichstellung von Frau und Mann bei Führungspositionen angeht. Ein solche Entwicklung ließe sich politisch steuern.

Die Menschen in Offenbach hätte das alles nicht sehr interessiert, sie hätten die Entscheidungen zu Frauenförderung "zur Kenntnis genommen". Am Ende ginge es den meisten einfach darum, "dass der Laden läuft und die Arbeit gut erledigt wird".