Für ältere Menschen ist Covid-19 besonders gefährlich. Jenseits des 50. Lebensjahrs wird ein schwerer Verlauf wahrscheinlicher. Die eigenen Eltern zu warnen, haben auch erwachsene Kinder oft noch nicht geübt. Wie es geht, erklärt ein Paartherapeut.

Während der Pandemie mit den eigenen Eltern zu telefonieren, ist ein seltsames Gefühl – jetzt machen sich die Kinder Sorgen, vor allem wenn die Eltern über 60 sind. Das Risiko eines schweren Verlaufs der Lungenkrankheit Covid-19 steigt bereits ab dem 50. Lebensjahr.

Den eigenen Eltern zu sagen, dass sie bitte besonders vorsichtig sein sollen, ist schwieriger als gedacht. Georg Krause ist Therapeut und stellt fest, dass Eltern auf Ratschläge ihrer Kinder tendenziell nicht gut zu sprechen sind.

"Plötzlich stellen die Eltern fest: Mensch, die sind so groß und selbständig geworden, dass die mir schon wieder Ratschläge geben. Das kann man nicht gut ab."
Georg Krause, Paarberater, Sexualberater, Trauerbegleiter

Für die konkrete Kommunikation hat der Therapeut ein paar Tipps:

  • Ich-Botschaften senden, bei den eigenen Gefühlen bleiben.
  • Keine Anweisungen erteilen.
  • Sich auf Augenhöhe austauschen.

Ein denkbar schlechter Einstieg in ein solches Gespräch ist: "Mama bleib zu Hause. Das ist zu gefährlich für dich." Georg Krause empfiehlt hingegen, sich mit den Eltern über ihre Erfahrungen – auch historische Extremerfahrungen – auszutauschen und die eigenen Sorgen auszudrücken.

Vertauschte Rollen

Das tradierte Rollenverhalten mache diese spezielle Kommunikation während der Pandemie so schwierig. Die Eltern fühlen sich ein Leben lang für die Erziehung ihrer Kinder zuständig und könnten Ratschläge der eigenen Kinder nur schwer annehmen.

"Man muss bei sich bleiben, bei seinen eigenen Gefühlen also nicht die Du-Botschaften, sondern: Ich rede über mich."
Georg Krause, Paarberater, Sexualberater, Trauerbegleiter

Sinnvolle Fragen sind für den Therapeuten:

  • Was meinst du dazu?
  • Wie ordnest du das ein?

Im gleichen Gespräch könnten die Kinder den Eltern anbieten, Einkäufe zu erledigen, wenn das räumlich möglich ist. Die Botschaft wäre dann: "Ich fühle mich besser, wenn ich für dich einkaufen kann."