Schulterblick, bloß keinen Radfahrer übersehen, rechtzeitig blinken, bremsen und kuppeln - Autofahren ist komplex. Ein kleiner Fehler kann fatale Folgen haben. Wer mangels Übung Angst vor dem Autofahren entwickelt, kann Fahrstunden bei speziellen Fahrschulen nehmen.

Für den Fahranfänger bedeuten die ersten Fahrstunden erst einmal Stress: Der Motor säuft ab, das Auto ruckelt, weil die Kupplung falsch bedient wurde und es gibt so vieles, was gleichzeitig getan und beachtet werden muss. Nach ein paar Stunden läuft es dann in den meisten Fällen besser, aber das hängt auch oft davon ab, wie einfühlsam der Fahrlehrer ist und wie sehr der Fahrschüler sich stressen lässt.

Unterschiedliche Formen von Fahrangst

Wer nach bestandener Fahrprüfung keine oder wenig Gelegenheit hat, zu fahren, bleibt manchmal unsicher - das kann ein Grund sein, warum sich manche Menschen hinter dem Steuer ängstlich oder unwohl fühlen. Es gibt aber auch andere, sagt Jens Heider, geschäftsführender Leiter der psychotherapeutischen Universitätsambulanz Landau: Viele seiner Patienten haben etwa Angst vor der Bewertung durch andere Verkehrsteilnehmer, vor Unfällen oder auch Panikattacken. Um diese Ängste wirksam zu bekämpfen, ist es laut Jens Heider wichtig, sich ihnen zu stellen.

"Der Patient muss die Möglichkeit haben, zu erleben, dass diese Angst nur ein übersteigertes Reagieren des Angstsystems ist und von alleine wieder nachlässt, obwohl die Situation noch dieselbe ist."

Unterschiedliche Formen von Autofahrangst erfordern unterschiedliche Therapien. Auch deswegen haben der Psychotherapeut Jens Heider und seine Kollegen eine Onlineumfrage gemacht. Sie wollen mehr darüber herausfinden, wie viele Menschen in Deutschland eigentlich Angst vor dem Autofahren haben und wie stark, ob es öfter Frauen trifft oder Männer und so weiter. Denn zu all diesen Fragen gibt es bisher keine wissenschaftlich belastbaren Erkenntnisse.

Fahrstunden für Autofahrängstliche

Inzwischen gibt es jedoch immerhin Fahrschulen, die sich auf Menschen mit Fahrangst spezialisiert haben. Unsere Reporterin Julia Möckl hat mit ihrer Freundin Caro eine Fahrstunde bei der Fahrschule Angstfrei Autofahren genommen. Alleine schon das Gefühl, dass man Angst vor etwas hat, was andere mit einer gewissen Beiläufigkeit tun, ist unangenehm. Alexandra Bärike ist Psychologin und Fahrlehrerin, sie macht eine Art Konfrontationstraining mit ihren Fahrschülern. Dabei nimmt sie die Ängste der Betroffenen ernst und bestärkt positiv alles, was ihre Schüler richtig machen. Auch Caro geht mit gestärktem Selbstbewusstsein aus der Fahrstunde heraus und hat mehr Lust darauf, sich wieder mal hinters Steuer zu begeben.

"Ich hab echt wieder Bock, mich ins Auto zu setzen. Ich glaube, dass ich mir dann jemanden suche, der sich daneben setzt, aber das wird dann vielleicht einfach eine gute Freundin sein."
Caro hat oft Angst beim Autofahren