Finger weg vom Shopping gilt am Kauf-Nix-Tag - für Verzichtsanfänger. Die Aktion von Goodmatters ist dagegen etwas für Fortgeschrittene. Ihr Vorschlag: Kauft ein Jahr lang kein Zeug!

Es ist ein etwas anderes Gesellschaftsspiel, das die Berliner NGO-Agentur Goodmatters angestoßen hat. Es ist eine Aufgabe, die im besten Fall das Leben verändert oder gleich die ganze Gesellschaft. Ihre Idee: Ein Jahr lang kein Zeug kaufen. Mit "Zeug" meint das Goodmatters-Team: keine Kleidung, keine Möbel, keine Handys oder Elektrogeräte. Verbrauchsgüter wie Essen, Getränke oder Pflegemittel zählen nicht dazu. Statt zu shoppen wird geliehen, getauscht, repariert und Upcycling betrieben. Ein Jahr muss man durchhalten und darf im Notfall zwei Joker ziehen - wenn es wirklich nicht anders geht.

Kaufen ohne Nachzudenken

Christiane Schwausch von Goodmatters muss gar nicht mehr spielen, seit drei Jahren kauft sie die besagten Produkte nicht mehr. Ihre Motivation war dabei: "Das Gefühl, dass man eigentlich gar nichts mehr kaufen kann, weil sozusagen überall Blut dran klebt", sagt die 31-Jährige. Sie hat lange in der internationalen Entwicklungsarbeit gearbeitet. Daher kennt sie die problematischen Arbeitsbedingungen und massive Rohstoffausbeutung.

"Ich hatte das Gefühl, alles, was ich kaufe, hat bereits irgendjemandem geschadet."
Christiane Schwausch, Goodmatters

Seit drei Jahren bleibt Christiane Schwausch eisern: "Dieses Ich-will-jetzt-was-kaufen ist mir eigentlich gar nicht unter gekommen." Manchmal war es aber schwieriger, sagt sie, sich Dinge zu besorgen, die man braucht. Statt einfach in den Supermarkt zu gehen, gibt es längere Wege. Wenn die Kaffeekanne kaputt geht, fragt sie zum Beispiel im Freundeskreis, wer aushelfen kann. Oder im weiteren Kreis in lokalen Facebook-Gruppen wie Free your stuff, wo jeder Überflüssiges kostenlos abgeben kann. Das klappt ganz gut, dauert aber länger.

Unterwäsche hält und hält und hält

Einer der größten Vorteile sei, sagt Christiane Schwausch, dass sie jetzt ruhiger lebe, seitdem sie sich aus der Konsumwelt rausgezogen hat. Und sie hat entdeckt: "Ich bin wesentlich kreativer geworden". Zum Beispiel beim Verschenken: Entweder sie verschenkt Verbrauchsgüter oder Selbstgemachtes. "Je weniger man hat, desto mehr versucht man, daraus etwas zu machen, andere Wege zu finden", sagt sie. Und in einigen Fällen muss sie gar nicht kreativ werden: Unterwäsche, hat sie herausgefunden, ist unglaublich robust.

Auch einige ihrer Freunde machen beim Konsumverzicht mit - jedoch unterschiedlich intensiv. Einige haben ein Jahr lang ganz verzichtet, andere reduzieren einzelne Dinge oder kaufen bewusster ein. Christiane Schwausch sagt: "Ich glaube nicht, dass ich mich nochmal in eine normale Konsumwelt einfinden würde."

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