Bisher dachte man, wer viele Muskeln haben will, muss schwere Gewichte stemmen. Die Blood-Flow-Restriction-Methode behauptet das Gegenteil: Schon minimale Belastungen reichen, wenn der Blutdurchfluss reduziert wird. Wie die Methode funktioniert und welche Risiken es gibt, darüber haben wir mit dem Sportwissenschaftler Michael Behringer gesprochen.

Kraftsport und Bodybuilding: Normalerweise denkt man dabei an schwere Jungs, die unter gewaltigem Stöhnen und Ächzen Gewichte stemmen, unter denen normale Menschen einfach nur zusammenbrechen. Dass es auch anders geht, behauptet der japanische Arzt Yoshiaki Sato. Er hat sich schon vor über 20 Jahren eine ungewöhnliche Methode patentieren lassen: Binden sich Sportler mit einer Manschette ihre Oberarme oder -Schenkel ab, reichen für das Training Hanteln mit niedrigstem Gewicht.

"Man kennt das Gefühl vom Blutdruck messen. Es ist nicht besonders angenehm. Die Venen schwellen relativ stark an, so ist auch das Ziel vom BFR-Training. Es soll sich mehr Blut im venösen System ansammeln, der arterielle Blutfluss soll nicht unterbunden werden"
Michael Behringer, Wissenschaftler an der Sporthochschule Köln

Rein theoretisch ist die Methode zwar mit gewissen Risiken verbunden, allerdings gibt es bisher kaum Befunde, die darauf hindeuten, dass es bei gesunden Probanden zu einer gesundheitlichen Schädigung kommt. Die Risiken scheinen sogar geringer zu sein, als anfangs angenommen.

Nebenwirkungen vor allem in klinischen Settings

Kritisch sei das Training nach der Methode in erster Linie nur für Menschen mit einer Vorschädigung. Wenn das Blut nicht mehr ganz normal über das Herz ins Gehirn zurückfließt, kann die daraus resultierende Blutarmut im Gehirn zur Bewusstlosigkeit des Sportlers führen. Doch muss man fairerweise ergänzen, so Behringer, dass intensives Hochleistungstraining, egal welcher Art, immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist:

"Eine tiefe Kniebeuge würde ich nicht gerade jemanden empfehlen, der eine OP hatte. Man muss das immer an die Probanden anpassen"
Michael Behringer, Wissenschaftler an der Sporthochschule Köln

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Publikationen zur Blood-Flow-Restriction-Methode. Auch Michael Behringer und seine Kollegen von der Sporthochschule Köln haben hierzu schon Studien durchgeführt. Bisher untersuchte man vor allem die Effekte des Trainings nach der BFR-Methode mit niedriger Intensität.

"Wir möchten jetzt viel mehr verstehen, was passiert eigentlich, wenn ich das kombiniere mit einem hochintensiven Training."
Michael Behringer, Wissenschaftler an der Sporthochschule Köln