Putzen und desinfizieren gehören seit Beginn der Pandemie zu unserem Alltag wie das Frühstück am Morgen. Aber wir sollten aufpassen, wie und womit wir putzen, denn einige Reinigungsmittel sind gesundheitsschädlich.

Schon frühere Studien ließen den Schluss zu: Manche Inhaltsstoffe in Scheuermilch, Allzweckreiniger und Co. sind gesundheitsschädlich. Nun hat ein internationales Forschungsteam festgestellt: Einige Bestandteile in Reinigungsmitteln können sogar belastender für unsere Atemwege sein als Autoabgase.

Die Wissenschaftler*innen von Unis in den USA und Frankreich haben dafür handelsübliche Putzmittel untersucht und herausgefunden, dass besonders Putzmittel gefährlich sind, die nach Zitrusfrüchten, Kiefer oder nach Pinie riechen. Auf der Inhaltsliste der Putzmittel steht in diesem Fall Limonene, Alpha- und Beta-Pinen oder Campher. Die Untersuchung erschien im Fachmagazin "Science Advances".

Der Hintergrund: In den nach Zitrusfrüchten, Pinien und Kiefer duftenden Mitteln sind häufig Monoterpene enthalten. Das sind Hauptbestandteile von ätherischen Ölen und kommen natürlicherweise in ganz vielen Pflanzen vor.

Monoterpene in Reinigungsmitteln setzen Volatile Organic Compounds frei

Das Problem: Beim Putzen setzen die Monoterpene in Reinigungsmitteln flüchtige organische Verbindungen, also gasförmige Stoffe organischen Ursprungs, in der Luft frei. Und die sind gefährlich, haben die Forschenden herausgefunden.

Laut der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA können Menschen durch diese Stoffe Sinnesreizungen wie Kopfschmerzen bekommen. Aber auch Organschäden oder sogar Krebs sind durch das Einatmen möglich.

Für die Untersuchung richteten die Wissenschaftler*innen einen etwa 20 Quadratmeter großen Testraum ein, in dem eine Lüftungsanlage lief. Knapp eine Viertelstunde wurde gewischt und gereinigt. Dabei haben die Forschenden die Raumluft analysiert. Es zeigte sich: Ein Mensch, der unter diesen Bedingungen putzt, atmet möglicherweise einiges an schädlichen Stoffen ein.

Abgase wie auf einer viel befahrenen Straße

Dafür sind zum einen die sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen verantwortlich. Sie werden von den Monoterpenen in den Putzmitteln – also wegen der Zitrus- und Kiefernduftstoffe – freigesetzt. Wer ganz normal putzt, kann dabei 30 bis 40 Mikrogramm einatmen. Dazu kommt: Diese chemischen Verbindungen können mit Sauerstoff reagieren – also oxidieren – und dabei sogenannte sekundäre organische Aerosole entstehen.

Von diesen Aerosolen würde jemand beim Putzen in dem Testraum 0,1 bis 0,7 Mikrogramm einatmen.

"Die Forschenden erklären, dass viele der entstehenden Partikel winzig klein sind und theoretisch bis in tiefste Regionen der Lunge vordringen."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk Nova

Zum Vergleich: Rein rechnerisch wäre die Belastung der Atemwege dabei vergleichbar oder sogar stärker, als wenn man sich an eine viel befahrene Straße stellen und dort Autoabgase einatmen würde. Wie schädlich das für Menschen ist, können Forschende noch nicht abschließend sagen. Dafür wurden noch nicht ausreichend Daten gesammelt.

Anlass zur Sorge besteht laut den Forschenden vor allem für Reinigungskräfte. Menschen, die privat häufig putzen, wird geraten, Räume ausreichend und regelmäßig zu lüften.