Im August 1992 entluden sich im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen drei Tage lang Wut und Hass eines rechtsextremen Mobs. 

Mit Molotowcocktails und Steinen traktierte der Mob die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) und ein Nachbargebäude, in dem ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter im sogenannten Sonnenblumenhaus untergebracht war. Die Polizei agierte hilflos und konnte den menschenverachtenden Terror nicht stoppen. Wie durch ein Wunder gab es bei diesem Pogrom keine Toten. 

"Die Ausschreitungen waren für die Entwicklung der rechtsextremen Szene in ganz Deutschland entscheidend - bis zum sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund."

Der Ausbruch hatte sich in den Wochen zuvor bereits angekündigt. Anwohner hatten sich über zu viele Asylantragsteller beschwert. Die Politik hatte die Klagen ignoriert und die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen belassen. Die Situation eskalierte auch deshalb, weil die Neonaziszene im gesamten Bundesgebiet mobilisierte und bewaffnete Trupps nach Rostock schickte. Es war das erste Mal, dass es der NS-Szene gelungen war, in einer gemeinsamen Aktion aufzutreten.

Außerdem hört ihr in Eine Stunde History:

  • Wolfgang Richter, der 1992 als Ausländerbeauftragter der Stadt Rostock das Pogrom im Sonnenblumenhaus mit den Vietnamesen erlebte
  • Michael Klundt, von der Universität Stendal, forscht über die soziale Lage der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern und stellt dabei gravierende Unterschiede fest
  • Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge sieht in dem Rostocker Pogrom den Beginn einer Radikalisierung der Neonaziszene bis zum sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrund"
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über die Situation, in der sich viele der ehemaligen DDR-Bürger Anfang der 90er Jahre befanden.