3,84 Euro pro Tag geben Krankenhäuser im Schnitt für das Essen eines Patienten aus. Das ist zu wenig, denn das Billig-Essen liefert nicht genügend Nährstoffe und schadet sogar der Gesundheit.

Das Essen an Deutschen Krankenhäusern ist schlecht, das besagt eine Studie des Deutschen Krankenhaus Instituts. Demnach ist das Essen häufig versalzen, enthält im Schnitt zu wenig Nährstoffe wie Kalzium und Eisen, aber auch zu wenig Kalorien. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt sogar, ein Drittel aller Patienten in den Krankenhäusern sein mangelernährt.

"Wir fürchten, dass an der falschen Stelle gespart wird."
Johann Ockenga, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin

Das Essen im Krankenhaus müsse viele Kriterien erfüllen, sagt der Ernährungsmediziner Johann Ockenga: Es müsse schnell da sein und einer Menge Patienten gleichzeitig zur Verfügung stehen. Woran es fehlt, sei seiner Meinung nach das Geld, Sachverstand, "gute Vorbereitung und vielleicht auch ein bisschen Liebe". Bei Tagestherapiekosten, die bis zu 1000 Euro mit allem Drumherum betragen könnten, befürchte er, da werde an der falschen Stelle gespart, so Johann Ockenga.

Kranke haben besonderen Bedarf

In der Regel sollte jedes Krankenhaus auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Patienten eingehen - je nachdem, was der Einzelne braucht.

"Wenn es in Richtung Erholung geht, da braucht der Körper etwas mehr an Kalorien und Eiweiß, damit er sich wieder regenerieren kann."
Johann Ockenga, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin

Generell brauchen Patienten in einer Gesundungsphase etwas mehr an Essen, auch wenn sie sich im Krankenhaus vielleicht wenig bewegen, sagt der Ernährungsmediziner. Man könnte Nahrungsergänzungsmittel anbieten, das werde auch getan in Form von zusätzlichen Kalorien oder Eiweiß. Wer über das Essen gut versorgt werde, genese schneller.

"Es gibt wissenschaftliche Evidenz, die zeigt, dass es sich lohnt, bei kranken Menschen auf die Ernährung zu achten."
Johann Ockenga, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin

Krankenhäuser können ihr Essen zertifizieren lassen, sagt Johann Ockenga, und so zeigen, dass sie auf genügend Nährstoffe und die Zubereitung des Essens achten.

Beratung am Krankenbett

Besonders wichtig findet er es, dass die Krankenhäuser Ansprechpartner haben, die jeden einzelnen Patienten und seine Essgewohnheiten kennen und beraten. "Sie brauchen wirklich Menschen, die sich am Krankenbett um die Ernährung kümmern", meint er. Die Niederlande oder die Schweiz gingen da mit gutem Beispiel voran.