Es tut weh im Rücken oder in der Seele. Im ersten Halbjahr waren so viele Deutsche krankgeschrieben, wie lange nicht. Vor allem wegen Rücken- und psychischen Leiden. Nachgefragt bei Notfallmediziner Johannes Wimmer.

So viel vorab: Dieser Text wird mit freundlicher Sitzunterstützung eines orthopädischen Kissens geschrieben. Insofern können wir uns in der DRadio-Wissen-Redaktion gut vorstellen, dass an der Nachricht etwas dran ist: Viel mehr Menschen haben sich in Deutschland im ersten Halbjahr krankgemeldet. Vor allem wegen Rückenschmerzen und psychischen Erkrankungen, das meldet die DAK.

Smartphone-Nacken und Lendenwirbel

Notfallmediziner Johannes Wimmer weiß: Früher war das größte Problem die Lendenwirbelsäule. Wer körperlich arbeitet, beispielsweise auf dem Bau, den zwickt es vor allem hier im unteren Rücken. Heute verlagert sich das weiter nach oben. Wir sitzen zu viel. Und hocken dazu in monotonen Haltungen am PC und über dem Handy. Der Smartphone-Nacken oder der Maus-Arm plagen heute die klassischen Bürotiere. Die allgemeine Verspannungslage zeigt sich manchmal auch durch das Kribbeln in den Fingern.

"Es gibt eine neue Studie, die bestätigt: Mit einer Stunde Sport kann man acht Stunden Sitzen ausgleichen - aber wer hat diese Stunde Zeit?"
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Ein Grund für die Schmerzen und Anspannung im Rücken kann auch Stress sein. Insofern hat unsere psychische Gesundheit Einfluss auf die physische. "Durch die Muskelverspannungen werden die häufigsten Rückenschmerzen verursacht, die gehen meist von selbst wieder", sagt Johannes Wimmer. Andersherum lassen sich nicht so klare Rückschlüsse schließen.

Überlastung, Druck, soziale Verantwortung

Fest steht, dass psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch sind, sagt Johannes Wimmer. "Angststörungen, Überlastung im Job, Druck durch soziale Verantwortung" - Patienten mit solchen Belastungsproblemen begegnen ihm vermehrt in der Notaufnahme. Psychische Erkrankungen, bestätigt die DAK-Studie, sind der zweithäufigste Grund der Krankmeldungen.

"Oft kann man selber rauskriegen, woran es liegt"
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Vermutlich ist die Zahl der tatsächlichen Krankmeldungen noch höher. Denn in den Statistiken der Krankenkassen sind nur Fehlzeiten der Krankenscheine eingeflossen. Und die sind zumeist erst ab drei Tagen Abwesenheit verpflichtend. Ob aber nur ein, zwei Tage oder zwei Wochen - Johannes Wimmer sagt: "Was bringen mir zwei Wochen Krankschreibungen, wenn es danach so weiter geht." Er empfiehlt daher für beide Hauptleiden, Rücken und Psyche, rauszufinden, woran es liegt. Und was wir daran ändern können. Und zwar konstant.