Die USA wollen das hochmobile Raketensystem "Himars" an die Ukraine liefern. Das hat US-Präsident Biden in einem Meinungsbeitrag für die New York Times angekündigt. Nach Angaben des ukrainischen Außenministers Kuleba arbeitet die Ukraine zudem an einem UN-geführten Einsatz, um sichere Routen für den Getreide-Export zu schaffen.

Beim Raketensystem Himars handelt sich um Artillerie, die etwa 80 Kilometer weit feuern kann und mit der sich die ukrainische Armee gegen die russische Artillerie wehren will. Dafür fehlen der Ukraine nämlich bisher offenbar geeignete Waffen, sagt Thielko Grieß, der ehemalige Deutschlandradio-Korrespondent für Russland. Deshalb sei das Himars-System für die Ukraine militärisch so wichtig. Das Land habe lange darauf gedrungen, es zu bekommen.

"Mit dem Himars-System will sich die ukrainische Armee gegen die russische Artillerie wehren."
Thielko Grieß, ehemaliger Deutschlandradio-Korrespondent für Russland

Mit geeigneter Artillerie lässt sich auf weit entfernte Ziele feuern. Auf diese Weise hat Russland seit Beginn des Krieges mehrere ukrainische Städte in Schutt und Asche gelegt. Die Ukrainer bekämen mit Himars ein ähnliches System - in der US Army ist es bereits seit vielen Jahren in Benutzung.

UN-Einsatz für Getreideexporte?

Nach Angaben des ukrainischen Außenministers Kuleba arbeitet die Ukraine an einem Einsatz, geführt von den Vereinten Nationen, um sichere Routen für Getreideexporte zu schaffen. Mit diesem Plan will die Ukraine vor allen Dingen den internationalen Druck auf den Gegner erhöhen, glaubt Thielko Grieß. Denn Russland stehe am Pranger, weil es den Krieg begonnen habe und deswegen in der Ukraine die Landwirtschaft schlechter funktioniert.

Die Ukraine baut sehr viel Getreide an, dort gibt es sehr gute Böden, auf denen das Getreide hervorragend wächst. Normalerweise exportiert das Land große Mengen davon unter anderem in arabische und afrikanische Länder und nach Europa. Doch der Krieg verhindert das. Immer mehr Menschen leiden an Hunger. Millionen Tonnen von Getreide – auch noch aus dem vergangenen Jahr – kommen aus den Lagern nicht heraus.

"Das werden entweder sehr, sehr lange Verhandlungen oder es wird vielleicht gar nichts daraus. Die Leidtragenden sind diejenigen, die das Getreide nicht bekommen, die sehr hohe Preise bezahlen müssen und die womöglich Hunger leiden."
Thielko Grieß, ehemaliger Deutschlandradio-Korrespondent für Russland

Vor allem, weil die ukrainischen Schwarzmeerhäfen durch Russland blockiert werden. Dort liegen russische Kriegsschiffe und Minen. Die Ukraine sagt: Helft uns, wir müssen uns diesen Weg wieder frei machen. Dass Verhandlungen mit Russland hier zu einem (schnellen) Erfolg führen, glaubt Thielko Grieß nicht. Die Leidtragenden seien die, die das Getreide nicht bekommen.

Offenbar beschlagnahmte Handelsschiffe

In der ehemals sehr umkämpften Stadt Mariupol sollen Handelsschiffe beschlagnahmt worden sein. Dabei geht es ebenfalls um Getreide, aber auch um andere Güter wie Stahl, Eisenerzeugnisse und weitere Metalle, die in diesem Hafen lagern.

Die russischen Besatzer hätten offenbar damit begonnen, diese Wertgegenstände abzutransportieren und nach Russland zu bringen, sagt Thielko Grieß. Das sei schlicht und ergreifend Diebstahl.

"Nach sehr glaubwürdigen übereinstimmenden Berichten haben die russischen Besatzer damit begonnen, Wertgegenstände aus dem Hafen von Mariupol nach Russland zu bringen. Das ist ganz schlicht Diebstahl."
Thielko Grieß, ehemaliger Deutschlandradio-Korrespondent für Russland

Im Hafen von Mariupol lägen mehr als 30 Schiffe, die meisten unter ukrainischer Flagge, einige auch unter internationalen Flaggen. Vor allem die ukrainischen Schiffe würden momentan wohl Zug um Zug von Russland beschlagnahmt.

Diese Schiffe würden natürlich nicht zurückgegeben, sondern statt der ukrainischen werde jetzt einfach die russische Flagge gehisst. Wahrscheinlich folgen dann auch russische Besatzungen und die Schiffe werden dann eben auch für russische Zwecke eingesetzt, vermutet Thielko Grieß.