Die Rebellen wollen Aleppo verlassen. Und wie geht es weiter? Die Stadt ist nicht nur ein Trümmerhaufen, sondern strategisch wichtig, sagt der Nahost-Experte Daniel Gerlach. Und das Regime will vor allem eins: die Bevölkerung beherrschen.

Die Rebellen wollten zumindest einigermaßen erhobenen Hauptes Aleppo verlassen, sagt Daniel Gerlach. Die Stadt war für die Rebellen kein Druckmittel mehr. Anscheinend hat die Türkei dabei geholfen, einen Deal für die wenigen bewaffneten Gruppen herauszuholen. Russische Soldaten bereiten sich darauf vor, die Rebellen aus Aleppo zu führen.

Aleppo ist von strategischer Bedeutung

Aleppo ist nicht nur ein Trümmerhaufen, der jetzt zurückbleibt, sondern eine strategisch wichtige Stadt. In Teilen ist es stark zerstört, aber eben nicht überall. Im Westen sind intakte Strukturen vorhanden, denn hier hat das Regime unter Assad lange die Kontrolle gehalten. Die Wiedereroberung hat sich für das Regime gelohnt, sagt Gerlach.

Das Regime wollte Aleppo militärisch erobern, den bewaffneten Widerstand zerschlagen und die Zivilbevölkerung vertreiben. Auch um später Aleppo neu besiedeln und damit besser kontrollieren zu können.

In dem Konflikt geht es nämlich auch um Ethnien und Konfessionsgemeinschaften. Syrien hatte bislang eine klare Bevölkerungsmehrheit: Bislang waren 75 Prozent sunnitische Muslime. Viele von ihnen stehen durchaus auf der Seite des Regimes. Dennoch hat dieser Konflikt und seine Gewaltlogik eine konfessionelle Dimension, sagt Gerlach.

"Man versucht die Demographie des Landes, insbesondere in den Städten, zum Vorteil des Regimes und der Minderheiten, die das Regime unterstützen, zu verändern."

Ein Großteil der sunnitischen Bevölkerung, von der das Regime annimmt, dass sie Rebellen unterstützen, aus den strategisch und wirtschaftlich wertvollen Städten vertreibt. Mittlerweile befindet sich fast die Hälfte der syrischen Bevölkerung auf der Flucht - intern im Land oder im Ausland, so Gerlach. Etwa 90 Prozent der Flüchtlinge sind sunnitische Muslime. Und das wird eine Auswirkung auf die Zusammensetzung der Bevölkerung in Syrien haben, da ist sich Gerlach sicher.

'"In Syrien wird Machtanspruch nicht daran gemessen, ob man ein Territorium besitzt, sondern über wie viel Prozent der Bevölkerung man herrscht."

Die Vertreibungen betrifft nicht ausschließlich sunnitische Muslime. Entscheidend ist die Vertreibung an sich. Dadurch wird möglicher Widerstand ganz generell gebrochen, sagt Gerlach. Denn die Menschen müssen sich dann erst einmal um ihre Grundbedürfnisse kümmern, um ihr Überleben.