Unsere Demokratie steckt in der Krise. Doch wer ist daran Schuld? Elitäre, weltfremde Politiker oder ein frustriertes, irrationales Wahlvolk? Ein Vortrag des Politikwissenschaftlers Jan-Werner Müller.

Wenn es um Politik geht, gibt es immer etwas zu meckern. Schließlich geht es darum, sich mit unterschiedlichen Meinungen und Überzeugungen auseinanderzusetzen. So sollte es sein. In letzter Zeit aber taucht immer häufiger die Frage auf, ob unser politisches System grundsätzlich ins Wanken geraten ist.

"Wenn es keine Spaltung gäbe, bräuchten wir auch keine Demokratie."
Jan-Werner Müller, Politikwissenschaftler

Die einen suchen die Schuld beim Volk: Die Mehrheit der britischen Wähler hat für den Brexit gestimmt, Donald Trump ist der demokratisch gewählte Präsident der USA. Vielleicht sind die Leute einfach zu irrational, um wichtige politische Entscheidungen zu treffen. Die Lösung: Nur die gebildeteren, qualifizierteren, besseren Menschen sollten bestimmen, wo es lang geht. Also die, die es verdient haben. Das ist die Idee einer Meritokratie.

Konzept der "Lottokratie"

Andere sehen das Problem an ganz anderer Stelle, nämlich bei den politischen Entscheidungsträgern selbst. Sie stehen nicht mehr in Verbindung zu den Menschen, sind abgehoben und elitär. Eine Lotterie könnte helfen: Statt Volksvertreter zu wählen, könnten wir sie auslosen. So ließe sich sicherstellen, dass wir nicht von überqualifizierten Berufspolitikern regiert werden. Das ist das Konzept einer "Lottokratie".

"Ich ende mit einem Lobgesang auf Institutionen, die wirklich keiner mehr mag: die politischen Parteien."
Jan-Werner Müller, Politikwissenschaftler

Jan-Werner Müller erläutert diese beiden Positionen in seinem Vortrag ausführlich und kommt dann zu dem Schluss, dass beide etwas ganz Entscheidendes übersehen: Was wir brauchen, um unsere Demokratie funktionsfähig zu halten, sind die politischen Parteien. Die mag zur Zeit zwar niemand. Aber ohne sie geht es einfach nicht.

Der Vortrag von Jan-Werner Müller hat den Titel "Meritokratie und Demokratie: Geht das zusammen?" Er hat ihn am 28. September 2019 beim Philosophicum Lech in Österreich gehalten. Thema des Symposiums war "Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie".

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