Kristin Kays lebt mehrere Monate pro Jahr in Nepal. Sie mag die Spiritualität in dem Land - und erlebt vor Ort nach dem Erdbeben große Not. Kristin verkauft heute schon nepalesische Produkte. Demnächst will sie komplett auswandern und sich selbstständig machen.

Eine Redaktionskonferenz mit Verena von Keitz.

Das Erdbeben im April 2015 gilt als das stärkste Erdbeben Nepals der vergangenen 80 Jahre. Es hat mehr als 8.000 Todesopfer gefordert und die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört. Die Deutsche Kristin Kays war während des Bebens vor Ort. Sie reist seit Jahren regelmäßig nach Nepal, lebt dort für mehrere Monate. Sie kennt das Land, lebt und arbeitet mit den Nepalesen zusammen. Und sie hat gemeinsam mit ihnen die große Not erlebt, die das Erdbeben mit sich gebracht hat.

Seit Mai haben die meisten Menschen eine Notunterkunft, erzählt sie. Sie sollen auch vor dem anstehenden Monsun schützen, der im schlimmsten Fall für Erdrutsche und Überschwemmungen sorgt, die Menschen in entlegenen Gebieten erneut von der Hilfe abschneiden.

Kalter Winter dank Beton

Kristin befürchtet, dass manche Häuser nicht wieder aufgebaut werden, weil in ein paar Monaten die Hilfe endet. Und selbst wenn sie neu errichtet werden, dabei aber Beton statt klassische nepalesische Baumaterialien verwendet werden, könnte das für Einwohner langfristig negative Folgen haben: Erstens ist Beton nicht wärmedämmend - im Winter kann das ohne Heizung fatal werden. Zweitens sind die klassischen nepalesischen Häuser Grund für Touristen das Land zu besuchen. Bleiben sie weg, fehlen wichtige Einnahmen.

Tatsächlich hat das Erdbeben aber auch eine positive Entwicklung in Gang gesetzt, sagt Kristin. So sei das Kastendenken etwas aufgebrochen. Menschen aus verschiedenen Kasten hätten sogar im selben Zelt geschlafen.

"2006 wurde der König gestürzt. Alle dachten, jetzt geht der Bürgerkrieg los."
Kristin Kays

Kristin hat Nepal vor 22 Jahren das erste Mal besucht, danach kam sie immer wieder. Auch im Jahr 2001 war sie in Nepal, damals kam es zu Unruhen zwischen der kommunistischen Partei Nepals (maoistisch) und der Monarchie. Kristin hat auch die Zeit danach mitbekommen, die sehr schwierig für das Land war. Es gab damals Generalstreiks von mehreren Wochen. Alle Geschäfte waren geschlossen, die Menschen mussten sich Lebensmittelvorräte anlegen, es gab eine Ausgangssperre.

2006 wurde der König gestürzt: Ein sehr prägendes Ereignis, erzählt Kristin. Alle dachten, jetzt geht der Bürgerkrieg los. Kristin ist mit dem letzten Flugzeug nach Hause geflogen.

"Das kann Europäer zur Weißglut treiben"

Kristin möchte irgendwann nach Nepal auswandern und eine Akademie für alternative Heilmethoden gründen. Nepal ist aus ihrer Sicht ein guter Ort dafür, weil es dort noch viele spirituelle Plätze gibt. Überhaupt geht es in Nepal langsamer zu als in Europa. Kristin: "Das macht Europäer, die dort arbeiten ungeduldig. Es kann sie zur Weißglut treiben." Schon heute ist Kristin unternehmerisch tätig. Sie verkauft Schals aus Kaschmir-Wolle, die nach Fair-Trade-Standards produziert werden.

Kristin Kays
© Kristin Kays
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