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Zwei Grundschulfreundinnen suchen ihre gemeinsame Gegenwart. In "Krokodile" schickt Autorin Angie Volk zwei erwachsene Frauen an den Strand.

Ein Freundinnenurlaub soll es sein, zwei Wochen, egal wo, Hauptsache warm, Hauptsache Wasser. Und Hauptsache: nur sie beide. Sonia ist von Berlin aus auf die Mittelmeerinsel geflogen, Bea stieg in Hessen ins Flugzeug. Ihr Smartphone hat Sonia zuhause gelassen. Die Sim-Karte steckt jetzt in einem hellblauen Mobilfunktelefon ohne Kamera und Messenger. Es kann nur SMS. Und Anrufe.

Sonia will in diesen zwei Wochen so wenig Kontakt mit dem Rest der Welt wie möglich. "Krokodile" heißt das Romandebüt von Angie Volk. Es ist ein sehr gutes Buch für den Strand, für die Terrasse oder für den schattigen Lieblingsplatz in der kühlen Küche. Es ist ein Sommerbuch.

Eigentlich ist alles gut

"Krokodile" ist aber kein Buch zum Wegdösen, nicht für hastiges Weglesen und schnelles Vergessen. Es ist ein Buch, das hängen bleibt wie ein Film. Und obwohl nicht wirklich viel passiert, ein Buch, das uns immer wieder die Luft anhalten lässt.

Es ist eigentlich alles gut. Zwei beste Freundinnen fahren in den Urlaub. Sie sind beide um die dreißig. Sie kennen sich seit der vierten Klasse. Haben immer den Kontakt gehalten. Zuletzt meistens telefonisch. Bea war damals schon wütend und laut. Sonia war damals schon traurig und leise. Sie funktionierten gut als Team, hielten sich aneinander fest, wenn die schöne Tina sie als die Dicke und ihr rothaariger Schatten bezeichnete.

Sie waren unzertrennlich, trotzig und ungeduldig

Irgendwann würde das richtige Leben beginnen, darin waren sie sich schon als Zehnjährige einig. Und sie würden sofort wissen, wann es soweit sein würde. Und den Moment wollten sie gemeinsam erleben. Aber dann haben sie ihn verpasst. Vielleicht, weil es diesen Moment gar nicht gibt? Heute rollt Bea mit den Augen, wenn Sonia sich nicht sofort entscheiden kann.

Sie bestellt für sie Essen mit. Kauft ihr Klamotten. Dafür stiehlt sich Sonia mit einem schlechten Gewissen aus dem gemeinsamen Zimmer, um mit fremden Menschen am Strand zu feiern. Ohne Bea. Sonia fragt sich, was das zwischen ihnen ist. Brauchen sie sich überhaupt noch? Und wenn ja – wofür?

Das Buch

"Krokodile" von Angie Volk. Atlantik/Hoffmann & Campe, 188 Seiten, Hardcover: 20 Euro, E-Book: 14,99 Euro, Hörbuch-CD: 15,45 Euro, gelesen von Alexandra Sagurna; ET: 02.06.2021.

Die Autorin
Angie Volk, geboren 1989, studierte Kulturwissenschaften und Interkulturelle Kommunikation in Frankfurt Oder und Ljubljana. Sie ist Mitgründerin der anonymen Lesebühne Konzept: Feuerpudel. 2015 stand sie auf der Shortlist des Write-and-Read-Wettbewerbs der Jungen Verlagsmenschen, 2018 erhielt sie den Förderpreis der Gruppe 48. Ein Jahr später war sie Finalistin beim 27. open mike. Krokodile ist ihr erster Roman.