In Filmen scheint es wunderbar zu funktionieren: Einfrieren lassen und später auftauen, wenn die Wissenschaft so weit ist, dass sie jede Krankheit heilen kann. Kryonik heißt die Technik. Jenseits von Hollywood klappt es aber noch nicht. Wollen wir das überhaupt?

Kryonik ist die Verheißung vom ewigen Leben. Die Technik soll uns Zeit verschaffen, bis der medizinische Fortschritt so weit ist, dass unser Lebensende bald schon Geschichte ist. Wir könnten also die letzte Generation sein, die direkt mit dem Tod konfrontiert wird, meint Dirk Nemitz, Vorstand vom Verein für angewandte Biostase.

Wer stirbt schon noch 

Dieser Verein hat zum Austausch eingeladen und Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting war dabei, als sechs Interessierte über die Abschaffung des Todes sprachen. Alle männlich, alle zwischen Mitte 30 und 50 Jahre alt. 

"Ich glaube, der Punkt ist, zu realisieren, dass wir nicht am Ende der wissenschaftlichen Entwicklung stehen, sondern dass wir da doch eher am Anfang stehen."
Dirk Nemitz, Verein für angewandte Biostase

Helge ist auch dabei: Metal-T-Shirt, geflochtener Kinnbart, Transhumanist. Ihn interessiert also, was die Menschheit in Zukunft voranbringen wird, er "möchte gerne Vieles noch miterleben". Cyborgs seien wir doch eh schon alle: Ohrstöpsel im Ohr, Smartphone in der Tasche und der Herzschrittmacher in der Brust. Die Kryotechnik sei eben nur die logische Fortsetzung dessen. Auch wenn es nicht gerade wahrscheinlich ist, dass es irgendwann funktioniert. 

"Auch eine 1-Prozent-Chance ist besser als ne 0-Prozent-Chance, und ich finde das Leben toll, ich finde das Universum großartig."
Helge, hofft auf Kryotechnik

Vor 100 Jahren sind die Menschen in Deutschland nicht viel älter als 50 Jahre alt geworden. Heute liegt die Lebenswartung 30 Jahre höher. Aber Helge will noch mehr: "Ich möchte mehr erleben, mehr wissen. Ist vielleicht ein bisschen narzisstisch, ich weiß es nicht, aber so sehe ich das."

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Wenn sich Helge und die anderen Teilnehmer im Netz als Kryoniker outen, haben sie alle schlechte Erfahrungen gemacht: Muss das sein, fragen die meisten. Oder: Das klappt doch sowieso nicht. Christian aus Wiesbaden kennt die technischen Probleme: Bei Menschen wird vor dem Einfrieren die Körperflüssigkeit gegen ein toxisches Frostschutzmittel ausgetauscht, ein Kryoprotektivum. Trotzdem wird beim Wiederauftauen vieles zerstört. Die meisten Wissenschaftler halten das Ganze Vorhaben für völlig unrealistisch.

"Eine Herztransplantation, da wurde früher auch gesagt, da greift man in die Schöpfung ein, das darf man nicht. Heute ist das ganz normal. Genau da stehen wir mit der Kryonik auch - in 20, 25 Jahren wird das ganz normal sein."
Dirk Nemitz

Dass wir uns alle einfrieren lassen, glaubt nur eine Minderheit. Weltweit sind etwa 320 Menschen eingefroren, etwas mehr als 3200 haben das im Falle ihres Todes vor. Dirk Nemitz und sein Verein zählen gerade mal 100 Kryoniker. Diejenigen, die glauben, sind allerdings fest entschlossen, für ihre Sache zu trommeln und die Öffentlichkeit dahin zu bringen, dass man sich dafür entscheidet, Kryonik nutzen zu wollen, als Krankenwagen in die Zukunft.

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