Nach den USA und China ist Deutschland zusammen mit Japan weltweit bei der Anmeldung neuer Patente aus dem Bereich Künstlicher Intelligenz ziemlich gleich auf. Ein wirtschaftlich erfolgsversprechender Trend, bestätigen Experten.

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien. Deutsche Entwickler scheinen das verstanden zu haben, denn weltweit melden sie mit am meisten neue Patente auf diesem Feld an. Führend sind die USA, gefolgt von China – danach kommen aber schon gleichauf Deutschland und Japan.

Eins dieser Unternehmen, das ein Patent angemeldet hat, ist das Berliner Start-up Lindera. Das Team will Senioren mithilfe von Künstlicher Intelligenz vor Stürzen bewahren. Dazu hat es eine App entwickelt, mit der Pflegekräfte den Gang von älteren Menschen analysieren können – ganz einfach per Handykamera, sagt Gründerin Diana Heinrichs.

"Anhand der KI können wir das Sturzrisiko genau beschreiben und auch sagen, was die besten Maßnahmen sind, um möglichst lange selbstbestimmt und mobil zu leben."
Diana Heinrichs, Gründerin des Startups Lindera
Eine Seniorin wird mittels einer Software vermessen.
Eine Seniorin wird mittels einer Software vermessen. Ziel ist es, die KI mit Bewegungsdaten zu füttern.

Das Start-up Lindera ist längst mit Krankenkassen und anderen Unternehmen im Gespräch. Sie wollen einen weltweiten Standard setzen und zeigen, dass Innovationen, die mit Künstlicher Intelligenz arbeiten, nicht nur aus dem Silicon Valley, sondern auch aus Mitteleuropa kommen können.

Die Lindera-App soll es Pflegekräften leichter machen, herauszufinden, ob Seniorinnen und Senioren eine Gehhilfe brauchen. Dazu filmen sie sie beim Gehen ab und die KI fängt dann an zu rechnen.

"Die KI berechnet beispielsweise Winkel: Also was ist der Winkel der Hüftbeugung, auch alle Winkel an den Armen."
Diana Heinrichs, Gründerin des Start-ups Lindera

Patente schützen vor Ideen-Klau

Damit das Unternehmen aber auch zum Erfolg wird, sagt Gründerin Diana Heinrichs, muss sie sichergehen, dass die Idee nicht kopiert wird. Deshalb hat sich das junge Unternehmen die Idee kürzlich schützen lassen und ein Patent vom Europäischen Patentamt zugesagt bekommen. Dort können Firmen und Forscher aus der ganzen Welt neue Verfahren anmelden und sich so für 38 europäische Staaten die Nutzungsrechte sichern.

Anstieg bei Patentanmeldungen aus dem Bereich Digitale Technologien

Im vergangenen Jahr gab es beim Europäischen Patentamt über 181.000 Patentanmeldungen. Auffällig war der Anstieg bei Digitalen Technologien, sprich 5G- und KI. Europaweit liegt Deutschland dabei an der Spitze – mit 7.969 kamen die meisten Patentanmeldungen aus Bayern. Die Firma Siemens ist dabei das anmeldestärkste europäische Unternehmen.

KI ist Garant für wirtschaftlichen Erfolg

Mit Künstlicher Intelligenz sind in der Regel Programme gemeint, die binnen Sekunden riesige Datenmengen analysieren können und von Mal zu Mal bessere Ergebnisse liefern. In vielen Bereichen wie der Landwirtschaft, beim automatisierten Fahren oder in der Medizin, entstehen so ganz neue Geschäftsmodelle, sagt Alexander Pflaum. Pflaum arbeitet beim Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen und ist außerdem Teil der Experten-Plattform Lernende Systeme. Er sieht in KI den Schlüssel für eine boomende Wirtschaft.

"KI ist im Grunde genommen der Schlüssel. Wenn wir Prozesse automatisieren, sind sie schneller, skalieren besser und führen damit zu einem betriebswirtschaftlichen Erfolg."
Alexander Pflaum, Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen

Warum es für Unternehmen und Start-ups wie Lindera so wichtig ist, die eigenen Ideen über Patente zu schützen, belegt Patentschützer Christian Platzer mit Zahlen. Er zitiert eine Studie des Europäischen Patentamts, die die Zahl der Patente und die Wirtschaftsleistung von Ländern vergleicht, wonach "rund 45 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung den Industrien zugerechnet werde. Dort spielen geistige Eigentumsrechte eine starke Rolle. Und die sind auch verantwortlich für grob 80 Prozent der Exporte."