Fliegen, Maden und Mistkäfer sind sich einig: Ein Kuhfladen auf einer Weide ist großartig. Dort finden sie genug Nahrung und graben die Haufen dafür ordentlich um. In so manchem Kuhfladen finden sich bis zu 800 Mistkäfer.

Wenn Kühe auf einer Weide grasen, kann das idyllisch aussehen. Ihre Hinterlassenschaften – die Kuhfladen – empfinden wir vielleicht als weniger idyllisch, wenn wir in sie reintreten. Für Insekten sind die liegen gebliebenen Kuhfladen, Pferdeäpfel und Schafsköttel aber ein regelrechtes Paradis.

Neben Fliegen, von denen wir schon wissen, dass sie gerne über den Haufen herumschwirren, stehen auch Mistkäfer auf die tierische Kacke. Ein Team aus Forschenden vom Nationalpark Schwarzwald hat sich die Hinterlassenschaften auf 18 Weideflächen im Nordschwarzwald angesehen. In einzelnen Haufen haben sie bis zu 800 der Käfer gefunden. Im Durchschnitt haben 50 Käfer einen Haufen besiedelt, so die Forschenden.

Mit Tierkot Ökosystem stabil halten

Für die Insekten ist der Tierkot vor allem eine Nahrungsquelle. Laut den Forschenden kann ein Durchschnittsrind innerhalb eines Jahres ungefähr ein Fünftel seines Körpergewichtes an Insekten ernähren.

Die Insekten sind wiederum ein Gewinn für das Ökosystem und halten es in Balance. Die Mistkäfer zum Beispiel wühlen sich durch den Kot bis in den Boden. Durch das Graben belüften sie einerseits den Boden und verteilen darin gleichzeitig unverdaute Samen aus dem Fladen.

Mit ihrem eigenen Kot düngen die Käfer den Boden zusätzlich. "Der Kreis schließt sich wieder, wenn die Rinder, Pferde und Schafe das saftige Gras fressen können", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke. Und im Anschluss verteilen sie ihre Hinterlassenschaften wieder neu auf den Wiesen.

"Die Hinterlassenschaften der Kühe und auch die anderer Weidetiere, wie Pferdeäpfel und Schafsköttel bedeuten für viele Insektenarten Nahrung en masse und supergute Bedingungen für die Aufzucht des Nachwuchses."
Julia Polke, Deutschlandfunk Nova

Ohne Käfer nur vertrocknete Kuhkacke

Ohne die Käfer würden die Kothaufen hingegen vertrocknen und auf der Weide liegen bleiben, sodass an der Stelle kein Gras nachwachsen kann. Häufig sterben die Insektenlarven im Kot der Tiere auch ab, weil viele Nutztiere mit Antiparasiten-Mitteln behandelt werden. Die Mittel können sie bis zu acht Wochen über ihren Kot ausscheiden.

Wenn die Insekten nicht im Kuhfladen überleben können und es weniger von ihnen gibt, fehlt allerdings auch Vögeln und kleinen Nagetieren das Futter, die sich eigentlich von ihnen ernähren würden.

Tierärztinnen und Tierschützer fordern daher, die Nutztiere nur noch gezielt zu entwurmen. Könnte ein Tier zum Beispiel eine ganze Herde gefährden, wäre eine Entwurmung in diesem Fall sinnvoll. Nicht aber, wenn sie generell mit Antiparasiten-Mitteln behandelt werden.