Wir können Stimmen hören, auch wenn keine Sprechenden anwesend sind: in unserem Kopf, am Telefon, im Radio oder Internet. Ein Vortrag über die Kulturgeschichte des Stimmenhörens von Kulturwissenschaftler Thomas Macho.

Stimmen zu hören gilt oft als nicht normal, als Krankheit, als Zeichen etwa von Schizophrenie. Dabei muss das nicht so sein.

Stimmenhören ist menschlich

Innere Stimmen haben uns Menschen schon immer fasziniert und beeindruckt. Götter, glaubte man, sprechen so zu uns Menschen. Im Traum können wir Stimmen hören, aber auch beim Denken, Lesen und Schreiben.

"Seit der Erfindung des Telefons konnten sich menschliche Stimmen auch auf technische Weise von ihren Körpern trennen."
Thomas Macho, Kulturwissenschaftler

Dann gibt es auch noch den technischen Aspekt des Stimmenhörens: Mit der Erfindung des Telefons und des Grammophons konnten wir Menschen unsere Stimmen vom Körper lösen. Tonaufnahmen erhalten menschliche Stimmen auch lange, nachdem die Sprechenden gestorben sind.

"Radikal revolutioniert wurde das Stimmenhören durch Computer."
Thomas Macho, Kulturwissenschaftler

Durch die Digitalisierung ist es mittlerweile auch möglich, künstliche Stimmen zu erzeugen, die keine Sprechenden mehr brauchen. Dadurch entstehen neue, digitale Stimmwelten, aber auch Deep Fakes sind dadurch möglich geworden. Wir können uns nicht mehr sicher sein, ob eine Stimme, die wir hören, tatsächlich von einem oder einer Sprechenden stammt oder nicht.

"Wir stehen am Beginn einer neuen Ära des Stimmenhörens."
Thomas Macho, Kulturwissenschaftler

Auf all diese Aspekte des Stimmenhörens geht der Kulturwissenschaftler Thomas Macho in seinem Vortrag ein.

Thomas Macho ist Kulturwissenschaftler und Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften Linz (IFK) in Wien. Sein Vortrag hat den Titel "Traumstimmen. Zur Geschichte der Verdrängung fremder Stimmen im Film". Er hat ihn am 10. November 2022 in Berlin gehalten im Rahmen der Mosse-Lectures an der Humboldt-Universität zu Berlin.

  • Hörsaal
  • Moderation:  Sibylle Salewski
  • Vortragender:  Thomas Macho, Kulturwissenschaftler