Ob Parmesan, Kunst oder Pharma – Fälschungen sind überall. Doch ist das immer verwerflich? Fakt ist: Schwindet das Vertrauen, wanken Millionenwerte. Gregor und Änne begeben sich auf Spurensuche.
Im Juni 2013 entdecken Beamte des Bundeskriminalamts in einer Lagerhalle in Wiesbaden Hunderte Kunstwerke, angeblich von berühmten Künstlern wie Marc Chagall oder Kasimir Malewitsch. Die Beamten hegen jedoch Zweifel an der Echtheit der Bilder.
Jahrelang ermitteln sie wegen des Verdachts auf Kunstfälschung im großen Stil, denn bei der Kunst der sogenannten "Russischen Avantgarde" sind Fälschungen ein riesiges Problem. Experten sagen, dass der Markt für diese Kunst von Fälschungen durchsetzt ist.
"Es gibt einfach so unglaublich viele Fälschungen. Es ist sehr selten, dass überhaupt ein Original aus diesem Bereich auftaucht."
Vertrauensverluste und Milliardenschäden
Fälle wie diese haben Folgen für den Kunstmarkt: Kunstinteressierte verlieren das Interesse, Werke zu kaufen, aus Angst, eine Fälschung zu erwischen.
"Das macht mit mir, dass ich keine Kunst mehr kaufe. Das ist der Schaden, den die Fälscher anrichten."
Ganz ähnlich verhält es sich auf anderen Märkten, die von Fälschungen oder Produktpiraterie betroffen sind. Um dem entgegenzuwirken, setzen viele Hersteller auf Echtheitszertifikate. So sollten Mikrochips im Parmesan die Herkunft des Käses garantieren. Das Grundproblem bei Fälschungen ist der Vertrauensverlust.
"Vertrauen ist der Schmierstoff dafür, dass Märkte funktionieren."
Insgesamt schätzen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum, dass gefälschte Waren etwa 2,3 Prozent des globalen Handels ausmachen. Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft beziffert den Schaden, den deutsche Unternehmen durch Produktpiraterie erleiden, auf rund 80 Milliarden Euro.
"Dann fallen Arbeitsplätze weg. Das ist leider die logische Konsequenz, weil die Unternehmen einfach nicht mehr den Umsatz damit generieren."
Nachahmungen und Imitate: Besser als ihr Ruf?
Es gibt allerdings auch Märkte, auf denen Fälschungen und Nachahmungen womöglich besser sind als ihr Ruf. Mit Blick auf die Pharmabranche wird etwa öfter die Frage gestellt, ob der Schutz vor Nachahmungen durch Patente ethisch vertretbar ist. Denn nachgeahmte Medikamente könnten gerade Menschen in ärmeren Ländern helfen.
Und wie ist es auf dem Kunstmarkt? Ließe sich auch dort diskutieren, ob Fälschungen womöglich besser sind als ihr Ruf? Die Antwort hört ihr im Podcast.
Habt ihr auch manchmal einen WTF-Moment, wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht? Wir freuen uns über eure Themenvorschläge und Feedback an whatthewirtschaft@deutschlandfunknova.de.
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