Bis heute ist ungeklärt, ob Leonardo da Vinci das Gemälde "Salvator Mundi" persönlich gemalt hat oder nicht. Und auch bei zeitgenössischen Künstlern ist die Echtheit von Bildern oft fraglich. Eine Herkunftsforscherin, ein Galerist und ein Kriminalist über Kunstfälschungen und wie man sie entlarvt.

Sigmar Polke, Günther Uecker, Martin Kippenberger, Jörg Immendorff, Yves Klein, Gerhard Richter - die Liste berühmter Künstler, die von Betrügern auf der Leinwand nachgeahmt werden, ist nahezu endlos.

Gegen Kunstfälschungen vorzugehen, ist schwer

Carolin Faude-Nagel ist Provenienz-Forscherin an der Akademie der Künste in Berlin. Unabhängig davon geht sie für andere Auftraggeber der Frage nach: Sind Kunstwerke echt oder gefälscht? Im Vortrag erklärt sie, warum es selbst Größen wie Jörg Immendorff so schwer fällt, gegen Fälschungen vorzugehen.

"Fälscher richten sich nach den Geschmäckern potenzieller Käufer und versuchen, vom Erfolg zeitgenössischer Künstler zu profitieren."
Carolin Faude-Nagel, Provenienz-Forscherin

Bei ihren Recherchen ist Faude-Nagel auf eine große Menge gefälschter Gegenwartskunst gestoßen und musste dabei feststellen, dass es nur selten zur Aufklärung kommt, geschweige denn dazu, dass die Nachahmungen auch tatsächlich aus dem Markt entfernt werden.

Experten geraten in Versuchung

Der Kunstwissenschaftler Johannes Nathan befasst sich mit dem Markt der Alten Meister. Er verweist in seinem Vortrag unter anderem darauf, dass oft Werkverzeichnisse fehlen oder sogar miteinander in Konkurrenz stehen. In solchen Fällen ziehen Auktionshäuser und Galeristen Experten zu Rate, um die Echtheit eines Kunstwerkes zu prüfen. Und dort liegt seiner Meinung nach ein weiteres Problem.

"Wenn Einzelpersonen oder eine kleine Gruppe über einen Überhang an Autorität verfügen, bleiben Kontrollen aus und Widerstand wird unterdrückt."
Johannes Nathan, Kunstwissenschaftler

Gerade bei Werken mit einem Schätzwert von mehr als einer halben Million Euro entstünden viele Versuchungen, vom Weg der Integrität abzuweichen, so der Kunstwissenschaftler.

René Allonge vom Landeskriminalamt Berlin ermittelt von Staats wegen gegen einzelne Kunstfälscher oder ganze Banden. Er berichtet unter anderem in seinem Vortrag davon, wie Kunsthistoriker bei ihrer Expertise getäuscht werden, damit sie Echtheits-Zertifikate ausstellen – denn ohne Expertise und ohne Zertifikat kann ein Kunstwerk nicht gehandelt werden.

"Wir als Kriminalisten sind grundsätzlich immer misstrauisch. Wir gucken mit anderen Augen auf Kunstwerke als Kunsthistoriker."
René Allonge, Leiter des Sachgebiets "Kunstdelikte" beim LKA Berlin

Die drei Vorträge wurden am 15. November 2019 im Rahmen des Symposiums "Objects on the Art Market: Original oder Fälschung – eine Frage der Expertise?" aufgezeichnet, zu dem das Forum Kunst und Markt der TU Berlin eingeladen hatte. Die RednerInnen:

  • René Allonge leitet am LKA Berlin das Sachgebiet "Kunstdelikte". Seine Spezialdienststelle überführte 2010 den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, der danach ins Gefängnis wanderte.
  • Johanes Nathan hat 1995 zu den Arbeitsmethoden Leonardo da Vincis promoviert und später Kunst und Geschichte des Kunstmarktes an verschiedenen Universitäten gelehrt. Er ist Mitbegründer des Forums Kunst und Markt und betreibt in Potsdam und Zürich seine Kunstgalerie "Nathan Fine Art".
  • Carolin Faude-Nagel ist Provenienz-Forscherin an der Berliner Akademie der Künste. Dort arbeitet sie unter anderem an einem Projekt mit, in dem seit Oktober 2017 die Herkunft von Werken aus der dortigen Gemälde- und Skulpturensammlung systematisch untersucht wird, die nach 1933 in den Besitz der Akademie kamen und vor 1945 geschaffen wurden.
Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderator:  Hans-Jürgen Bartsch
  • Vortragende:  Carolin Faude-Nagel, Provenienz-Forscherin, Akademie der Künste Berlin / Johannes Nathan, Kunstwissenschaftler, Nathan Fine Art, Potsdam und Zürich / René Allonge, Leitender Ermittler beim Landeskriminalamt Berlin