Das Zentrum für politische Schönheit (ZfpS) hat zwischen Reichstag und Kanzleramt in Berlin eine Säule aufgestellt. Angeblich mit der Asche von Holocaust-Opfern. Das hat für massive Proteste und heftige Diskussionen gesorgt. Jetzt haben sich die Verantwortlichen des ZfpS entschuldigt.

Eigentlich wollte das ZfpS mit der Aktion an die Opfer des Holocaust erinnern. Doch vor allem von den Nachfahrinnen und Nachfahren der Opfer wurde die Kunstaktion heftig kritisiert. Die Aktionskünstler wollten die religiösen und ethischen Gefühle von Holocaust-Überlebenden und Nachkommen von Opfern nicht verletzen. Jetzt haben die Verantwortlichen des Künstlerkollektivs eine Stellungnahme mit einer Entschuldigung veröffentlicht.

Die Säule in Berlin wurde an dem Ort aufgestellt, an dem Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde. Im Glaseinsatz der Säule soll angeblich Asche von Holocaust-Opfern zu sehen sein. Dieser Glaseinsatz wurde jetzt überklebt. Eine für Samstag geplante Aktion, bei der die Säule in Beton gegossen werden sollte, hat das ZfpS abgesagt.

Kritik wegen Störung der Totenruhe

Damit reagiert das ZfpS auf die heftige Kritik, die an dieser Aktion geübt worden ist. Der Zentralrat der Juden hat unter anderem argumentiert, dass die Aktion gegen die Wahrung der Totenruhe verstößt. Uwe Becker, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, hat die Aktion als "völlig geschmacklos" bezeichnet. Die Bundesregierung erklärt: Wenn es wirklich Asche von Holocaust-Opfer sei, wäre das pietätlos und geschichtsvergessen.

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Ob es sich beim Inhalt der Säule wirklich um Erde mit der Asche von Holocaust-Opfern handelt, ist weiter unklar. Angeblich wurden 200 Bodenproben an 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine genommen. In 70 Prozent dieser Bodenproben wurden menschliche Überreste gefunden. Das ZfpS sagt dazu aber, dass alle positiven Proben wieder zurück an die Orte der Entdeckung gebracht wurden.

Nicht nur Kritik

Auch wenn die Kritik sehr heftig ausgefallen ist: Es hat auch unterstützende Stimmen für die Aktion des Künstlerkollektivs gegeben. So hat die Vorsitzende des Fördervereins "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" gesagt, sie finde die Aktion großartig. Das Zentrum wolle eine politische Botschaft rüberbringen. Und zwar, dass die Bundesregierung nie mit Parteien zusammenarbeiten darf, in denen es rechte Tendenzen gebe.

Einordnende Worte zur Aktion hat die in Berlin lebende Autorin Deborah Feldmann gefunden. Sie hat einen Thread via Twitter veröffentlicht, in dem sie die Aktion selber zwar als "unangenehm" bezeichnet, aber die Empörungswelle, die sich damit ausbreite als "reflexhaft". Sie plädiert für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema und darüber, wie Erinnerungskultur lebendig bleiben kann.

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