Edward Engelberg hätte früh seinen Vater, wahrscheinlich sogar auch sein eigenes Leben verloren, wenn dieses bestimmte Gemälde nicht gewesen wäre. Wie genau die Rettungsaktion funktionierte, ist aber unbekannt. Ein Journalistenteam hat sich auf Spurensuche begeben. Und einige Antworten gefunden.

Dieses Bild erzählt gleich zwei Geschichten. Die erste handelt vom Vater von Edward Engelberg, der 1938 von den Nazis ins KZ Dachau verschleppt wurde. Edward Engelberg war damals neun Jahre alt und dabei, als der Vater geholt wurde. Und er hat es diesem Bild zu verdanken, dass er den Vater wiedergesehen hat.

Die zweite Geschichte ist die des Rechercheteams "Follow the money", das das Bild wiederfinden wollte - und ohne das wir die erste Geschichte nicht erzählen könnten.

Das Bild hat die Familie gerettet

Nachdem 1938 der Vater Engelberg ins KZ gebracht wurde, gab es für die Ehefrau nur eine Chance, ihn von dort zu befreien: Sie brauchte ein Einreisevisum in die Schweiz. Die Nazis verfolgten zu dieser Zeit nämlich noch die Strategie, die Juden aus dem Land zu vertreiben.

Edward Engelberg, heute 86 Jahre alt, erzählt, die Mutter hätte damals das Haus mit einem Gemälde des heute weitgehend unbekannten Künstlers Otto Theodor W. Stein verlassen. Als sie zwei Stunden später zurückkommt, hat sie das Gemälde nicht mehr - dafür aber ein Visum. Die Familie inklusive dem Vater können über die Schweiz in die USA fliehen. Dort hat sie sich um 30 Nachkommen vergrößert. Sie gäbe es nicht ohne das Gemälde, das ihr zur Flucht verhalf.

"Das ist die Ausgangslage. Für unsere Suche war die zentrale Frage: Was hat Paula Engelberg in diesen wenigen Stunden mit dem Gemälde gemacht?"
Christian Salewski, Rechercheteam "Follow the money"

Es bleiben Fragen: Wie ist die Mutter an das Visum gekommen? Und wo ist das Gemälde heute?

Das Rechercheteam "Follow the money" wollte dieses Rätsel lösen - und hat sich unter dem Aktionsnamen "#kunstjagd" auf die Suche nach Antworten und dem Gemälde gemacht. Sie haben in Archiven gestöbert, mit vielen Menschen gesprochen, Kunstexperten befragt. Und sie haben Antworten gefunden.