Lieferando-Kurier Philipp Schurk und seine Gewerkschaft fordern bessere Arbeitsbedingungen für Essenslieferanten. Vor allem die Bonuszahlungen hält er für problematisch.

Die Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten" (NGG) setzt sich für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten ein. Essenskurier Philipp Schurk ist Mitglied der NGG-Tarifkommission, er fordert: Ein fester Stundenlohn von 15 Euro, die Abschaffung des Bonussystems, sechs Wochen Urlaub und Zuschlagszahlungen für Sonntagsschichten, Abendschichten und bei Extremwetter.

Philipp Schurk hat vor kurzem vor der Konzernzentrale von Lieferando in Berlin protestiert. Besonders problematisch ist aus seiner Sicht das Bonussystem. Denn das fördert besonders viele Fahrten. "Es verleitet zu risikoreichem Fahren", sagt er. Außerdem würden so Menschen benachteiligt, die weniger leistungsfähig sind.

Teilzeit-Arbeitende dürfen nicht schlechter gestellt werden

Ein weiteres Problem: Das Bonussystem fördert besonders diejenigen, die Vollzeit arbeiten. Genau das sei aber verboten. Teilzeit-Arbeitnehmende dürfen aufgrund ihres Vertragstyps nicht schlechter gestellt werden als diejenigen, die vollzeit arbeiten.

"Ein Bonus, der an eine bestimmte Orderzahl geknüpft ist, ist problematisch, weil er zu riskantem Fahren verleitet."
Philipp Schurk, Gewerkschaftsmitglied und Lieferando-Rider in Frankfurt am Main

Der Arbeitgeber sei außerdem dazu verpflichtet, für einen Arbeitsrhythmus zu sorgen, der nicht dazu führt, dass sich Angestellte Gefahren und Risiken aussetzen.

Erfolg vor dem Bundesarbeitsgericht

Philipp Schurk ist optimistisch, dass seine Gewerkschaft ihre Ziele erreichen wird. Die Mitgliederzahlen der NGG steige momentan rapide an, auch wegen seiner erfolgreichen Klage wegen der Stellung von Dienstfahrrädern und Diensthandys.

"Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts, wo ich ein Kläger war, hat dazu geführt hat, dass wir einen Mitgliederzuwachs von 25 Prozent bei der NGG hatten."
Philipp Schurk, Gewerkschaftsmitglied und Lieferando-Rider in Frankfurt am Main

Das Unternehmen Lieferando hat die Kritik zurückgewiesen. Lohnerhöhungen und die fast 20-teilige Ausstattung erlaubten einen sicheren Verdienst bei sicheren Fahrweisen. Boni gebe es schon ab der 26. Lieferung im Monat. Solche Zahlungen seien in der Branche üblich.