Kurt Tucholsky hatte viele Frauen, manche gleichzeitig. Geliebt hat er nur eine: seine zweite Frau Mary. Kurz vor seinem Tod, hat er ihr den traurigsten Liebesbrief aller Zeiten geschrieben - und ihr sein Lebenswerk vermacht. Die Geschichte zweier Menschen, die immer wieder den perfekten Moment verpasst haben.

Kurt Tucholsky lernt Mary Gerold 1917 in Lettland kennen. Er ist dort als Soldat stationiert. Mary arbeitet als Hilfsdienstfreiwillige für das deutsche Heer. Kurt sieht sie und weiß sofort: Die will ich. Er schreibt ihr, buhlt um sie. Mary lässt sich erst zögerlich auf ihn ein.

Das Wiedersehen

Als sie soweit ist, muss er schon wieder fort: Die letzten Kriegsmonate verbringt er in Rumänien, dann geht er nach Berlin. Mary und er sehen sich erst nach zwei Jahren wieder. Er liebt sie, er liebt aber auch viele andere. Als die beiden im Januar 1920 voreinanderstehen, stellen sie fest: Sie haben sich auseinandergelebt.

"Es ist wie wenn eine Glaswand zwischen uns ist - und ich kann sie nicht brechen. (...) Ich sehe hier nun gar keinen Ausweg. Ich muss es - und Dich - gehen lassen."
Kurt Tucholsky an Mary Gerold am 16. Februar 1920

Die Frau seiner Träume

Weil Kurt nicht gerne alleine ist, heiratet er eine andere. Mary kann er nie vergessen. Nachdem die beiden sich einmal auf der Straße begegnen, ist es wieder um ihn geschehen: Alles beginnt von vorne. Kurt buhlt. Mary zögert.

"Ob wir noch einmal zusammenkommen?"
Schreibt Mary in ihr Tagebuch, nachdem sie Kurt am 24. September 1920 auf der Straße begegnet ist.

Liebe, bis dass der Tod sie scheidet

1924 heiraten Mary und Kurt. Doch die Ehe funktioniert nicht: Er arbeitet wie ein Verrückter, Mary kümmert sich um den Haushalt, das Geld, darum dass Kurt leben kann. 1928 hat sie die Nase voll und verlässt ihn mit den Worten: "Es war zu groß und zu schön als es anfing, um es hässlich enden zu lassen."

"Hat nur einmal im Leben geliebt..."

Kurt und Mary sehen sich nie wieder. Er stirbt 1935 im schwedischen Exil. Da war Kurt Tucholsky 45 Jahre alt. Kurz vor seinem Tod hat er Mary noch einen Brief geschrieben. Außerdem ist sie seine Alleinerbin. Mary Tucholsky liebt Kurt über seinen Tod hinaus: Nach dem Krieg sortiert und archiviert sie seinen Nachlass. Und sie sorgt dafür, dass Bücher wie "Schloß Gripsholm" oder "Rheinsberg - Ein Bilderbuch für Verliebte" wiederaufgelegt werden.

"Hat einen Goldklumpen in der Hand gehabt und sich nach Rechenpfennigen gebückt; hat nicht verstanden und hat Dummheiten gemacht; hat zwar nicht verraten, aber betrogen, und hat nicht verstanden."
Kurt Tucholsky in seinem letzten Brief an Mary Tucholsky