Einige von euch sind gerade in Kurzarbeit, andere mussten ihren Urlaub nehmen. Wie und wie lange wir arbeiten, das verändert sich gerade stark. In der Ab 21 klären wir, was es heißt, in Kurzarbeit zu sein - und, wie es sich anfühlt, ungewollt weniger zu arbeiten.

Steffen arbeitet bei einem Automobilzulieferer und ist seit April in Kurzarbeit. Der 29-Jährige kommt gut damit klar, weil er kaum Verbindlichkeiten hat: Noch keine eigene Familie, keinen Kredit den er abbezahlen muss, dafür mehr Freizeit. Trotzdem ist ihm bewusst, dass Kurzarbeit für viele ein Problem ist.

In Kurzarbeit: Größere Chance arbeitslos zu werden?

Katja Möhring forscht zu Kurzarbeit in Krisen und sagt: Diese kurzfristige Maßnahme, die der Staat zur Absicherung der Arbeitnehmenden schon bei der Gründung der BRD etabliert hat, ist ein weltweites Beispiel für Sozialpolitik. Im Podcast erklärt die Wissenschaftlerin genau, was dabei passiert und welche Ängste die Betroffenen gerade verspüren.

Informationen zu Kurzarbeit

  • Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist im Juni der Arbeitslosenanteil weiter gestiegen, und auch die Zahl der Kurzarbeiter hat ein Rekordhoch erreicht: Bundesweit waren rund 2,9 Millionen Menschen ohne Job und 6,8 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Zum Vergleich: Im Juni 2019 waren es 637.000 weniger Arbeitslose.
  • Im Normalfall kann Kurzarbeitergeld höchsten 12 Monate lang bezogen werden, so die Arbeitsagentur. Wegen der Corona-Pandemie können die Leistungen aber bis zu 21 Monate bezogen werden und es gibt weniger Voraussetzungen bei der Beantragung. Außerdem werden die staatlichen Leistungen aufgestockt, je länger man sich in Kurzarbeit befindet.
  • Trotz der großen sozialen und wirtschaftlichen Vorteile der Regelung, gibt es auch Kritik: Eine Studie von der Hans-Böckler-Stiftung vom April belegt, dass der Zuschuss nur denjenigen etwas bringt, die vorher schon gut verdient haben. Menschen, die ein niedriges Einkommen beziehen, können nicht von zwei Dritteln ihres Gehalts (so viel wird gerade vom Staat maximal dazugegeben) leben – Zuschläge wie Trinkgeld werden auch nicht berücksichtigt. Untere Lohngruppen, aber auch Frauen, profitieren deswegen selten, was zu einer größeren sozialen Ungleichheit führt.