Fachkräftemangel, boomende Wirtschaft und niedrige Arbeitslosenquote: So sah die Lage noch vor ein paar Monaten aus und dann kam Corona. Wir besprechen, was das für Auswirkungen auf den Berufseinstieg hat.

Etwa eine halbe Million Menschen machen in diesem Jahr ihren Abschluss an den deutschen Unis und wollen danach gern Geld verdienen, so Deutschlandfunk-Nova-Reporter Markus Golla. Genau so wie viele Leute schließen ihre Ausbildung ab. Doch seit der Pandemie steckt die Wirtschaft in einer Krise und Unternehmen haben im April und Mai weniger Leute eingestellt, als davor. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Dennoch sollten gerade junge Studierende kurz vor ihrem Abschluss nicht in Panik geraten, sondern ruhig bleiben und abwarten. Das rät Malte Sandner, er forscht am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Er sagt, gerade im Bereich der Fachkräfte könne sich die Situation schnell verändern und der Bedarf wieder steigen: "Qualifizierte Personen aus Bereichen, die einen Mangel haben, werden auch wieder sehr gute Chancen haben."

"Junge Leute im Studium sollten sich nicht verunsichern lassen."
Malte Sandner, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Gerade die Digital- und IT-Branche könne auch von der aktuellen Situation profitieren, so der Arbeitsmarktforscher. Dazu gebe es allerdings noch keine Zahlen, die das belegen. Aber es gibt die Vermutung, dass Unternehmen in dem Bereich investieren und Arbeitskräfte brauchen.

Die Pandemie könnte allerdings einen Einfluss auf das Gehalt von Menschen haben, die jetzt frisch in den Job einsteigen: Expertinnen und Experten befürchten, es könnte zu einem "Corona Pay Gap" kommen. Leute würden in Krisenzeiten durchschnittlich länger nach einem Job suchen und mit niedrigerem Gehalt einsteigen. Das könnte sich im schlimmsten Fall durch die gesamte Berufszeit ziehen.

Der "Corona Pay Gap" könnte Einstiegsgehälter drücken

Durch Arbeitslosigkeit können wir Selbstzweifel entwickeln, sagt die Hamburger Psychologin Benthe Untiedt. Dann hinterfragen wir zum Beispiel unser Können und die Wahl unseres Studiengangs: "Es ist ein stressvolles Ereignis und das erhöht immer das Risiko, dass man eine Form von psychischer Belastung oder Erkrankung entwickelt."

Die Psychologin rät, dass wir in einer solchen Situation vermehrt auf uns achten und uns nicht entmutigen lassen . Zum Beispiel, wenn die ersten Bewerbungen nicht direkt erfolgreich waren und wir eigentlich eine andere Erwartungshaltung haben.

"Wartezeit überbrücken, sich vielleicht eine Weiterbildung suchen oder sich sozial engagieren. Sodass man das Gefühl hat: Das, was ich mache, hat einen Einfluss."
Benthe Untiedt, Psychologin

Stattdessen sollen wir uns aktiv darauf einstellen, dass die Situation nicht einfach ist und darauf reagieren. Zum Beispiel, in dem wir die Zeit nutzen, um uns weiterzubilden oder uns sozial zu engagieren.