Fußballfans denken ja, sie hätten die La Ola erfunden. Falsch gedacht. Tiere machen schon lange die Welle. Riesenhonigbienen, Präriehunde und auch Pinguine beherrschen die La Ola perfekt. Aber die machen das nicht zur Unterhaltung, sondern um Feinde abzuwehren, sich zu wärmen und als Aufmerksamkeitstest.

Bekannt für die La Ola ist zum Beispiel die Südostasiatische Riesenhonigbiene. Diese bedecken ihre Nester, indem sie zwei Schichten bilden. Die innerste Schicht der Bienen versorgt die Waben. Die äußerste Schicht übernimmt die Verteidigung, indem die Bienen Wellen schlagen. Der Mechanismus ist vergleichbar mit einer La Ola im Fußballstadion mit dem Unterschied, dass die Bienen nicht die Arme in die Höhe strecken, sondern ihr Hinterteil.

Mit diesen perfekt koordinierten Verteidigungswellen wollen die Bienen Fressfeinde verunsichern und abschrecken.

Die Wellen der Riesenhonigbienen helfen gegen Hornissen. Gegen Vögel jedoch nicht: Der Bienenfresser zum Beispiel lässt sich von der La Ola nicht abschrecken. Er greift das Nest sofort an. Aber sonst würde er vermutlich auch einen anderen Namen tragen.

"Bienen haben die La Ola im Laufe der Evolution perfektioniert."
Mario Ludwig, DRadio Wissen-Tierexperte

Auch Präriehunde können La Olas. Die Erdhörnchen machen springend ihre Wellen. Stellt sich ein Mitglied aus der Kolonie auf die Hinterbeine und springt in die Höhe, machen die anderen aus der Kolonie nach und nach mit.

Damit testen die Tiere, ob die anderen auf der Hut sind. Machen alle bei der La Ola mit, können sie sich ohne Sorge auf Nahrungssuche machen. Machen nur wenige mit, ist Vorsicht angebracht: Dann sind die Kollegen wohl beschäftigt und abgelenkt.

Kaiserpinguine - per Welle vom Rand in die Mitte des Huddles

Und auch Kaiserpinguine tun es. Bei bis zu minus 50 Grad rücken die Tiere beim Brutgeschäft dicht gedrängt in Gruppen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Sehr begehrt innerhalb dieser sogenannte Huddles ist natürlich die Mitte.

Aber wie kommen alle mal ins Zentrum? Filmaufnahmen deutscher Forscher der FAU Erlangen-Nürnberg brachten Aufklärung: Die Pinguine im Huddle machen alle 30 bis 60 Sekunden einen ganz, ganz winzigen Schritt - mit bloßem Auge kaum erkennbar. Diese Bewegung pflanzt sich als Welle fort, einmal durch den gesamten Pinguin-Haufen. So bleibt die gesamte Gruppe in ständiger Bewegung. Dadurch haben alle Pinguine die Chance, einmal in die wärmende Mitte zu gelangen.

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