Kunstdünger ist teuer geworden, deswegen steigt die Nachfrage nach Gülle, also Kot und Urin von Nutztieren. Früher mussten Betriebe bezahlen, um sie loszuwerden. Heute können sie sie verkaufen.

Vor allem, weil Gas so teuer geworden ist, ist auch die Produktion von Kunstdünger teuer. Deshalb ist die Nachfrage nach Gülle stark gestiegen. Gülle ist eine Mischung aus Kot und Urin von Nutztieren wie Rindern, Schweinen und Geflügel. Und es kann als Dünger auf den Äckern verteilt werden, damit die Pflanzen besser wachsen.

Die Nachfrage ist so groß geworden, dass für den Erhalt von Gülle inzwischen bezahlt werden muss. Früher war das anders: Da haben Betriebe dafür bezahlt, um sie loszuwerden.

Gut zu tun haben deshalb aktuell Güllevermittlungsplattformen wie die von Bernd Bösing. Der 29-jährige Agrarunternehmer aus Vreden in Nordrhein-Westfalen liefert Gülleüberschüsse von Betrieben zu Betrieben mit Güllemangel.

Gülle kostet erstmals Geld

Seit zehn Jahren hat er sich mit seiner Firma auf Güllehandel spezialisiert. Die Firma liefert die Gülle aus und kümmert sich um die Logistik.

Die Mischung aus Kot und Urin von Tieren enthält Stickstoff, Kalium, Magnesium und Phosphat. Das sind wichtige Nährstoffe für den Ackerpflanzenanbau. Dennoch ist das Düngen mit Gülle nicht unumstritten. Fachleute wie Pierre Johannes vom Naturschutzbund Nabu kritisieren die übermäßige Verwendung des Naturdüngers auf Feldern.

"Wenn man zu viel düngt, dass die Pflanzen im Boden die Nährstoffe nicht völlig aufnehmen können. Dann sammeln sich zu viele Nährstoffe im Boden."
Pierre Johannes, Referent für Agrarpolitik beim Naturschutzbund Nabu

Die Nährstoffe werden ausgewaschen, aus Stickstoff wird Nitrat, das im Grundwasser landet. Für Menschen ist das gesundheitsgefährdend. Mit Nitrat belastetes Wasser muss aufwändig aufbereitet werden - den Preis dafür zahlen am Ende die Verbraucher*innen.

Tatsächlich wurden die gesetzlichen Höchstgrenzen an Nitrat im Grundwasser in den vergangenen Jahren immer wieder überschritten – vor allem in Regionen, in denen viele Rinder, Kühe und Schweine gehalten werden.

Eine strengere Düngemittelverordnung der Europäischen Union, die das Verteilen von Dünger weiter einschränkt, konnte bisher noch nicht für eine Verbesserung der Zustände sorgen, sagt der Nabu.