Im Imbiss wird jemand unruhig, schnappt verzweifelt nach Luft. Er läuft blau an, packt sich an den Hals. Und ihr merkt: Der erstickt! Mit dem sogenannten Heimlich-Manöver könnt ihr ihm das Leben retten. Notfallsanitäter Jens Peters erklärt, wie es funktioniert.

Bevor ihr den Heimlich-Handgriff anwendet, solltet Ihr erst mal überprüfen, ob die betroffene Person tatsächlich am Ersticken ist, weil er etwas verschluckt hat. Der Notfallmediziner Jens Peters von den Maltesern beschreibt die Anzeichen bei Betroffenen:

  • läuft blau an
  • hat starken Husten
  • Augen sind weit aufgerissen
  • schnappt vergebens nach Luft

Womöglich hat sich die Person an einem Stück Fleisch, festem Gemüse oder ähnlichem verschluckt, das nun die Atemwege blockiert.

Das solltet ihr nun tun:

  1. Fordert eine ganz konkrete Person auf, den Notarzt zu rufen, damit sich auch wirklich jemand verantwortlich fühlt.
  2. Sprecht die betroffene Person frontal an und macht ihr klar, dass ihr helfen wollt. Ermutigt sie zum Husten.
  3. Klopft ihm oder ihr von hinten fünf Mal kräftig auf den Rücken: in streichenden Bewegungen von unten zwischen die Schulterblätter nach oben.
  4. Umfasst den Erstickenden von hinten und legt eure Faust unterhalb des Brustbeins in die Magengrube.
  5. Umfasst eure Faust mit der anderen Hand.
  6. Zieht die Faust kräftig in den Körper, macht das fünf Mal.
  7. Wenn es nicht klappt: Fangt wieder bei Punkt 3 an und wiederholt die folgenden Schritte.
  8. Falls das noch nicht geschehen ist: Ruft einen Arzt. Denn beim Heimlich-Manöver können innere Verletzungen entstehen.

Wenn euer Gegenüber ohnmächtig ist, bringt das Heimlich-Manöver nichts mehr, erklärt Jens Peters. Hier müsst ihr mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Wasser könnt ihr mit dem Heimlich-Manöver nicht aus der Lunge pumpen. Auch mit Fischgräten funktioniert es nicht, weil die die Atemwege nicht komplett verschließen.

Traut euch, zu helfen!

Viele fühlen sich nicht ganz wohl in ihrer Rolle als Ersthelfer und es gab eine Zeit, da galt das Heimlich-Manöver als zu gefährlich. "Es kann zu Rippenbrüchen kommen, allerdings ist die Gefahr größer, dass am Magen was kaputt geht oder an der Leber oder der Milz." sagt Jens Peters: "Darum ist die Hemmschwelle ziemlich groß, das Heimlich-Manöver durchzuführen." Jens Peters ist Notfallsanitäter bei den Maltesern und leitet auch Erste-Hilfe-Kurse.

"Es ist essenziell wichtig, dass die Menschen in der Lage sind, sich gegenseitig Ersthilfe zu leisten, bis professionelle Hilfe da ist."

Auch wenn es zu Verletzungen kommen kann und ein Patient unbedingt ins Krankenhaus müsse, um sich durchchecken zu lassen, sollten Menschen versuchen zu helfen, sagt Jens Peters. Sein Plädoyer: "Es ist essenziell wichtig, dass die Menschen in der Lage sind, sich gegenseitig Ersthilfe zu leisten, bis professionelle Hilfe da ist." Die Alternative wäre schließlich, jemanden ersticken zu lassen. Das Manöver ist das letzte Mittel, um ein Leben zu retten.

Selbsthilfe mit dem Stuhlmanöver

Es gibt übrigens eine Variation des Heimlich-Manövers, die ein Erstickender alleine durchführen kann: das Stuhlmanöver. "Man kann denn Druck selber durchführen, indem man sich mit der Magengrube über eine Stuhllehne legt", sagt Jens Peters. Natürlich funktioniert auch ein Tisch, ein Zaun, eine Mauer, was auch immer. Auch damit funktioniert die nötige Kompression. Auch in diesem Fall müsst ihr anschließend ins Krankenhaus.