Bis zu 90 Prozent günstiger einkaufen – das funktioniert mit einigen neuen Apps und Onlineshops. Sie setzen auf Lebensmittel, die normalerweise aussortiert würden. Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven hat sie sich für uns angeschaut.

Der Hintergrund ist bei den meisten Apps dass sie zunächst Lebensmittel retten oder zumindest besser verwerten wollen. "Man muss einfach wissen, rein statistisch gesehen werfen wir pro Nase ungefähr 75 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg", sagt Nicolas Lieven.

"Man darf sich da nichts vormachen: Da steckt natürlich immer ein Geschäftsmodell dahinter."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Mehrere Start-ups, wie "Too good to go", "Motatos", "Leroma", "Etepetete" oder "Sireplus" setzten genau hier an. Sie haben Geschäftsmodelle aufgebaut, um Lebensmittel weiter zu verkaufen, die normalerweise im Müll landen würden. "Das heißt Gurken, die zu krummen sind, Verpackungen, die falsch sind, Überproduktion und so weiter", erklärt Nicolas Lieven.

Das Angebot wechselt ständig

Die verschiedenen Unternehmen haben ein sehr breites Angebot an Waren. "Es hängt immer so ein bisschen davon ab, was übrig ist und was die gerade so reinbekommen", sagt der Wirtschaftsjournalist. Manche Anbieter packen zu einem Festpreis Boxen, mit dem, was gerade da ist und liefern es dann nach Hause. Zum Teil gibt es sogar auch Haushaltsartikel bis hin zu Spülmaschinentabs.

"Es gibt Markenprodukte, es gibt frische Waren. Es gibt Konserven genauso wie vegetarische, vegane und Bio-Produkte. Man muss ein bisschen flexibel sein."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Nicolas Lieven hat sich die Seiten angeschaut und festgestellt, dass man bei den Einkäufen über die verschiedenen Apps mindesten 20 oder 25 Prozent sparen kann und manchmal sogar bis zu 90 Prozent – im Vergleich zum handelsüblichen Preis. Allerdings täusche der Eindruck manchmal, denn die angesetzten Vergleichspreise seien zum Teil sehr hoch.

Zu Schade zum wegschmeißen

To good to go ist eine App, in der man zum Beispiel Bäckereien, Bistros oder Restaurants findet, die kurz vor Ladenschluss ihre nicht verkaufte Ware anbieten – meistens zur Hälfte des Preises.

Die Gründer hinter den Apps und Online-Stores seien geprägt von Idealismus, sagt Nicolas Lieven. Dennoch sagt er klar: "Es ist ein Geschäftsmodell. Die kaufen günstig ein und verkaufen dann – immer noch günstig, aber natürlich teurer – weiter." Die meisten Apps machen damit derzeit noch keinen Gewinn, seien aber darauf ausgerichtet. "Es gibt Investoren dahinter, die natürlich irgendwann auch mal Geld sehen wollen", so der Journalist.

Konkurrenz zur Tafel

Ein Kritikpunkt gegenüber den Lebensmittel-Start-ups ist, dass sie möglicherweise den Tafeln Lebensmittel wegnehmen. Viele Menschen sind auf das kostenlose Essen der Tafeln angewiesen und auch die Tafeln verwenden Lebensmittel, die im Supermarkt oder auf Märkten ausrangiert werden. Nicolas Lieven sagt, nach Angaben der jungen Unternehmen gäbe es genügend für alle. "Und Sireplus sind auch diejenigen, die gesagt haben: 'Tafeln first, und wir kommen irgendwie danach', wenn man sich mit den Tafeln wiederum unterhält, dann ist es so, dass sie sagen: 'Nee, das ist für uns schon eine Konkurrenz.'" Denn am Ende seien es die selben Hersteller, die ihre Waren günstig weitergeben.

  • Moderator:  Ralph Günther
  • Gesprächspartner:  Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist