Die Deutschen werfen pro Kopf im Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Diese Unmengen kann man sich kaum vorstellen. Warum machen wir das? Der Journalist und Filmemacher Valentin Thurn hat mit seinem Film "Taste the Waste" eine gesellschaftliche Debatte angestoßen. Und er zeigt uns nicht nur die Probleme, sondern auch Lösungen. Eine Bewegung sei entstanden, die etwas ändern will - davon ist Thurn überzeugt.

Valentin Thurn wurde mit seinem Dokumentarfilm "Taste the Waste" im Jahr 2011 bekannt. Und nicht nur er, sondern auch das Thema, das ihn seitdem umtreibt. Nämlich Lebensmittel sowie deren Herstellung und vor allem deren Verschwendung.

Die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll

Der Journalist und Filmemacher Thurn lebt in Köln. Auf das Thema Nahrungsmittelverschwendung stieß er, als er eine kleine Reportage über Containern machte. Beim Containern suchen Menschen in Mülltonnen nach verwertbaren Lebensmitteln. Teils, weil sie arm sind. Teils, weil sie die Verschwendung satt haben. "Ich bekam damals so viele emotionale Reaktionen auf die Reportage, auch so viel Wut", sagt Thurn. Ihm wurde klar, das ist ein Thema. Nach und nach wurde ihm auch klar, welche Unmengen an Lebensmitteln in der Mülltonne landen - nämlich schätzungsweise die Hälfte.

Moderator Manuel Unger und Gast Valentin Thurn sitzen im Studio, zwischen ihnen liegen auf dem Tisch Brötchen, Käse, Äpfel.
© Katrin Ohlendorf | DRadio Wissen
Sonst isst Valentin Thurn zum Frühstück keine Wurst. Heute macht er eine Ausnahme. Aber es gab auch selbstgemachte Marmelade - ganz korrekt.

"Wir wollten auch eine gesellschaftliche Debatte anstoßen", sagt Thurn. Das Thema Verschwendung sei den Menschen durchaus bewusst gewesen, aber nicht das Ausmaß. Und man verdränge das Thema auch gerne. Niemand schmeiße gerne Essen in den Müll.

Aber Thurn will nicht nur Probleme beschreiben, sondern auch Lösungen und Alternativen liefern. Nach "Taste the Waste" folgte der Dokumentarfilm "Essensretter". Darin stellt er Menschen und auch Unternehmen vor, die helfen, die Nahrungsmittelverschwendung zu begrenzen. Jeder könne etwas tun, davon ist Thurn überzeugt.

"Es ist wenig Substanzielles passiert. Die Politik hat in Deutschland versäumt, eine Führung zu übernehmen."

Von der Politik hat sich Thurn mehr erhofft. Man habe sich vor allem auf die Verbraucher gestürzt, als Verursacher der Lebensmittelverschwendung. Landwirtschaft, Industrie und Handel habe man zu wenig in die Verantwortung genommen, sagt Thurn. "Aber es sind nicht allein die Verbraucher schuld."

10 Milliarden Menschen ernähren

Sein nächstes Filmprojekt wird globaler sein. Im Februar 2015 wird der Film "Zehn Milliarden" Premiere haben. So viele Menschen werden schätzungsweise im Jahr 2050 auf der Erde leben. Zurzeit sind wir über sieben Milliarden. Wird es genug Nahrung geben für so viele Menschen? Müssen wir mehr produzieren oder einfach nur umverteilen? Diesen Fragen geht Thurn nach.