Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland landen jedes Jahr auf dem Müll. Die neue Regierung will das Thema angehen – sie kann sich an Frankreich und Italien ein Beispiel nehmen.

Der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir will, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. Pro Jahr sind das in Deutschland laut Schätzungen des Umweltverbandes WWF rund zehn Millionen Tonnen, die aktuell vermeidbar wären. Insgesamt werden in Deutschland jährlich rund 54 Millionen Tonnen Nahrungsmittel konsumiert.

Die entsorgte Menge Lebensmittel bezieht sich auf alles, was als Lebensmittel definiert ist. Nicht dazu gehören zum Beispiel Getreide oder Gemüse, das zwar gewachsen ist, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht geerntet, sondern zum Beispiel untergepflügt wird.

Das Problem mit der Haftung

Ein wichtiger Punkt beim Thema Lebensmittelentsorgung sei die Haftungsfrage, sagt Stefan Kreutzberger, Autor des Buches "Die Essensvernichter" und Mitgründer der Initiative Foodsharing, die Lebensmittel vor der Entsorgung bewahren will.

Denn sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels abgelaufen ist, übernimmt der Produzent nicht mehr die Garantie für die Unbedenklichkeit eines Lebensmittels. Heißt: Wenn ein Supermarkt abgelaufene Lebensmittel verkaufen oder verschenken will, steht er selbst in der Haftung. Deswegen werden diese Lebensmittel so häufig entsorgt.

"Supermärkte werfen Lebensmittel, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind, in der Regel weg."
Stefan Kreutzberger, Autor des Buches "Die Essensvernichter" und Mitgründer der Initiative Foodsharing

Stefan Kreutzberger hofft, dass der Landwirtschaftsminister Cem Özdemir seine Ankündigungen in die Tat umsetzt und neue Regeln erlässt, die die Haftungsfragen vereinfachen, sodass Lebensmittel einfacher verkauft oder verteilt werden können, die kurz davor sind abzulaufen, oder es sogar schon sind.

Als Vorbild könne Italien dienen mit dem Gute-Samariter-Gesetz. Das stellt Spenderunternehmen und Initiativen, die Lebensmittel verteilen, von der Haftung weitgehend frei, weil sie nicht mehr als Lebensmittelunternehmen angesehen werden. So ist es zurzeit in Deutschland: Wer Lebensmittel spendet und verteilt, muss dafür haften. "Das muss sich ändern", sagt Stefan Kreutzberger.

Lebensmittel weiterverarbeiten statt wegwerfen

Außerdem fordert er ein Wegwerfverbot, wie es zum Beispiel in Frankreich gilt. Dort müssen Supermärkte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern dafür sorgen, dass übriggebliebene Lebensmittel gespendet, weiterverarbeitet, als Tierfutter verwendet oder kompostiert werden.