In Industrieländern werden zu viele Lebensmittel produziert. Anstatt die essbaren Reste an soziale Einrichtungen weiterzugeben, zerstört der Handel alles, was nicht verkauft wird. Dabei wäre doch alles so einfach mit dem Teilen.

Frankreich hat es vorgemacht: Die Regierung hat ein Gesetz erlassen, das es großen Supermärkten verbietet, übrig gebliebene Lebensmittel zu zerstören. Die Reste sollen an soziale Hilfseinrichtungen gehen oder zu Tierfutter verarbeitet werden. Frankreich ist aber nur eines von vielen Industrieländern, die bewusst überproduzieren. Deutschland gehört ganz klar dazu, hier gibt es noch kein Gesetz, wie es in Frankreich verabschiedet wurde.

Überproduktion lohnt sich

Lange kann das nicht mehr gut gehen, glaubt Lebensmittel-Experte Michael Schieferstein von Foodfighters. Der Handel habe sogar Anreize, die Lebensmittel hinter den Kulissen zu zerstören. Denn die Vernichtung von Lebensmitteln kann als Ausschuss steuerlich abgesetzt werden. Ein kleiner Teil wird dann günstig angeboten. Und die entstehenden Kosten werden einfach auf den Verbraucher umgelegt. Heißt also: Dadurch, dass in der Branche große Mengen wegschmissen werden, verdient sie mehr Geld als beim Verkauf der Lebensmittel.

"Die Tafeln sind unterversorgt, sie schaffen es heute schon nicht mehr alle Hilfsbedürftigen zu sättigen. Ein ganz minimaler Anteil geht an sie, damit dort nicht bekannt wird, was wirklich vernichtet wird."
Michael Schieferstein, Foodfighters

Kürzere Haltbarkeit

Noch mehr Reibach können Discounter betreiben, indem sie die Lebensmittel schon drei bis vier Tage vor Verfallsdatum aus dem Regal nehmen. Auch die Hersteller machen mit: Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird zum Beispiel nicht vom Gesetzgeber, sondern vom Hersteller festgelegt. So wird die Haltbarkeit bei manchen Produkten seit einiger Zeit immer kürzer.

"Das ist ein Wahnsinnskreislauf, der vom Gesetzgeber unterbunden werden muss. So, wie diese Gesetze jetzt auch in Frankreich eingeführt werden müssen."
Michael Schieferstein, Foodfighters

Und was können wir tun?

Schieferstein empfiehlt, regional und nachhaltig zu kaufen. Auch der klassische Einkaufszettel soll uns dabei helfen, nicht zu viele Lebensmittel nach Hause zu schleppen, die nachher schlecht werden. Von manchen Produkten sollten wir lieber ganz die Finger lassen und sie gar nicht erst kaufen. Dann werden die Produkte im besten Fall aus dem Handel genommen, da keine Nachfrage mehr besteht. Das Hühnchen vom Discounter für 3,95 Euro fördert die Massentierhaltung und sollte lieber nicht in den Einkaufskorb. Klingt alles logisch, fordert aber eine gewisse Disziplin von uns als Konsumenten. Und ganz ohne Hilfe vom Staat, in Form von Gesetzen, wird es wohl auch nicht gehen.