Eine israelische Sonde, die im Frühjahr auf dem Mond landen sollte, ist auf seiner Oberfläche zerschellt. Die Bärtierchen, die mit an Bord waren, sind dabei auf dem Mond gelandet. Die sogenannten Wasserbärchen sind wahrscheinlich ausgetrocknet, könnten in diesem Zustand aber Jahrzehnte überdauern und möglicherweise wieder reanimiert werden.

Die wenigsten von uns werden Bärtierchen oder mit ihrem wissenschaftlichen Namen Tardigraden genannt - schon einmal bewusst wahrgenommen haben. Höchstens mal unter dem Lichtmikroskop im Biologieunterricht. Denn die achtbeinigen Tiere werden noch nicht einmal einen Millimeter lang.

"Am Leben sind die Tiere nicht wirklich, waren sie auch nicht, als sie da hochgeschossen wurden. Die sind aber auch nicht tot, die sind irgendwie dazwischen. Man muss dazu wissen: Diese Bärtierchen, die sind sehr spezielle Lebewesen, die ziemlich hart im Nehmen sind."
Timo Nicolas, Deutschlandfunk Nova

Sie sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmen kann. In ihrer Form erinnern sie an Bären, weshalb sie oft auch als Wasserbären bezeichnet werden. Wir sind ständig von ihnen umgeben, auch wenn wir sie nie wirklich wahrnehmen. Weltweit findet man sie im Meer, im Süßwasser, in feuchten Lebensräumen und vor allem an bemoosten Stellen.

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Eine besondere Eigenschaft, die die Bärtierchen haben, war der Grund dafür, dass man sie zu Testzwecken mit an Bord der Sonde genommen hatte: Extreme Umweltbedingungen können die Tierchen mithilfe von Kryptobiose überdauern, einem todesähnlichen Zustand, bei dem sie ihre Stoffwechselaktivität extrem herunterfahren.

"Wenn sie austrocknen, ziehen sie ihre acht Beine ein und kugeln sich mehr oder weniger ab, in die Form eines Tönnchens. In diesem komplett ausgetrockneten Zustand können sie dann über lange Zeiträume überdauern."
Ralph Schill, Biologe an der Universität Stuttgart
Ein Bärtierchen unter dem Mikroskop.
© imago images | Panthermedia

Der Biologe Ralph Schill von der Universität Stuttgart erforscht die Bärtierchen seit 15 Jahren. Gemeinsam mit anderen Forschenden war der Biologe der Erste, der vor mehr als zehn Jahren Bärtierchen ins All geflogen und den extremen Umweltbedingungen dort ausgesetzt hatte. Wenn die Tiere kein Wasser bekommen, versetzen sie sich in eine Art getrockneten Zustand, einen Ruhezustand, in dem sie sogar im Weltall überleben können, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Timo Nicolas.

"Wir sind der Frage nachgegangen: Können diese Bärtierchen im freien Weltraum diesen Weltraum-Spaziergang überleben? Wir haben Wasser auf sie gegeben: Innerhalb von 20, 30 Minuten waren die Tiere wieder weitgehend so aktiv, wie vor dem Eintrocknen."
Ralph Schill, Biologe an der Universität Stuttgart

UV-C-Strahlung verursacht irreparable Zellschäden

Bei seinem Versuch mit den Bärtierchen gab es eine Gruppe, die Biologe Ralph Schill im Weltall vor UV-C-Strahlung geschützt hat. Diese Tiere haben den Ausflug unbeschadet überlebt. Eine andere Gruppe von Wasserbären war ungeschützt. Diese Tiere konnten nach ihrer Rückkehr auf die Erde zwar im Labor reanimiert werden, die Zellschäden waren allerdings so groß, dass sie kurze Zeit später gestorben sind.

Hier auf der Erde schützt uns unsere Atmosphäre vor der UV-C-Strahlung. Auf dem Mond ist die Atmosphäre allerdings so dünn, dass sie kaum Schutz bietet. Diese Tiere, die extremste Bedingungen wie Vakuum und radioaktive Strahlung überstehen können, haben leider auch keine Chance, wenn sie der UV-C-Strahlung ausgesetzt werden.