Sag mir, wohin du radelst, und ich sage dir, wer du bist! So ungefähr stimmt das wohl. Darum haben es einige Leih-Fahrrad-Anbieter auf unsere Daten abgesehen - um sie zu verkaufen.

Zwei Euro pro Stunde - das ist schon recht günstig für ein Leihfahrrad. In den vergangenen Monaten treten immer mehr Fahrradverleiher aus China auf dem europäischen Markt auf. Ihre Räder heißen Yobike, Obike oder Mobike - wir haben darüber berichtet. Auch in Berlin oder München gibt es die Räder der chinesischen Firmen schon. Ein Problem dabei: Über die App, die ihr ladet, können die Räder eure Fahrt tracken. 

Alle Daten sind wichtig

"Intuitiv denkt man natürlich, so spannend ist das nicht", sagt Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer. Doch das sei ein Irrtum: Angenommen, ich fahre regelmäßig mit dem Leihrad, dann weiß der Anbieter nämlich irgendwann, wo ich wohne, wo ich arbeite, ob ich lieber bei McDonalds oder dem Bioladen um die Ecke esse. Selbst, wenn eine einzelne Info erst mal wertlos ist, dann sagt die Summe der Daten eben doch ziemlich viel aus.

"In der digitalen Welt ist auch das belanglose Datum in Verknüpfung mit anderen Daten ein sehr wesentliches."
Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter in Hamburg

Diese Daten sind für eine ganze Reihe von Organisationen interessant: Die Gesundheitsindustrie findet es sicher spannend zu wissen, was ich esse, und wie viel ich mich im Alltag bewege. Wo ich wohne und arbeite, interessiert zum Beispiel Kreditanbieter. 

"Ganz besonders freut sich natürlich die Werbewirtschaft: Die weiß dann nämlich genau, wann sie mir welche Werbung auf dem Handy anzeigen soll."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Es gibt Datenhändler, die Datenpakete auf- und weiterverkaufen. Was genau weitergegeben wird, hängt letztendlich davon ab, was in den Geschäftsbedingungen der Unternehmen steht: "Bei Obikes heißt es da zum Beispiel, dass personenbezogene Daten zwecks Statistikanalyse Dritten zur Verfügung gestellt werden können", sagt die Wirtschaftsjournalistin.

"Gerade wenn die Daten außerhalb eines rechtsstaatlichen Raums verarbeitet werden, dann ist zu erwarten, dass die Daten recht freigiebig gehandelt werden."
Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter in Hamburg

Die Financial Times hatte 2014 ausgerechnet, wie viel unsere Daten wert sind. Da kam dann zum Beispiel raus: Ob jemand Diabetes hat oder nicht, wird mit 26 Dollar-Cent gehandelt. Für den Beruf gibt es ungefähr 8 Cent. "Das wirkt auf den ersten Blick unbedeutend. Aber es werden ja unzählige Daten gehandelt und dann wird schnell ein Geschäft draus", sagt Katja Scherer.

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