Am Wochenende gab es im Leipziger Stadtteil Connewitz Ausschreitungen, nachdem mehrere Hausbesetzungen aufgelöst wurden. Der Streitpunkt: steigende Mietpreise und Leerstände – und dagegen hätte die Politik längst was tun müssen, sagt ein Journalist, der in der Stadt lebt und arbeitet.

Steine und Flaschen flogen, auf den Straßen brannten Barrikaden – drei Nächte lang in Folge bekämpften sich im Leipziger Stadtteil Connewitz linke Demonstrierende und Polizei. Auslöser der Ausschreitungen war die Auflösung mehrerer Hausbesetzungen.

Josa Mania-Schlegel, Chefreporter bei der Leipziger Volkszeitung, wohnt selbst in Connewitz. Er verurteilt die Gewalt, sagt aber auch: Die Stadt hat sich zu lange nicht um die Wohnungssituation im Viertel gekümmert.

Leipzigs Mieten steigen ungebremst

So stark wie in Leipzig steigen die Mieten nirgendwo in Deutschland, sagt Josa Mania-Schlegel. Die immer beliebter werdende "Boom-Town" locke viele Immobilienanleger an, gleichzeitig lebe man in Leipzig aber noch auf einem sehr niedrigen ostdeutschen Niveau.

Gegen diese widersprüchliche Wohnungssituation in Leipzig wird seiner Meinung nach von der Stadt viel zu wenig unternommen. Die Stadt dürfte die Wohnungssituation nicht sich selbst überlassen, sagt er.

"Die Stadtpolitik müsste ein viel viel größeres Augenmerk auf diese Situation legen und die sich nicht so ganz sich selbst überlassen."
Josa Mania-Schlegel, wohnt in Connewitz und ist Chefreporter der Leipziger Volkszeitung

Connewitz stark betroffen

Das mache sich auch im Stadtteil Connewitz bemerkbar, der für seine Bewohner schon immer als ein "safe space" für alternatives Leben und Wohnen gesehen werde. Hier seien die Mieten in den letzten sieben Jahren um die Hälfte angestiegen.

Gleichzeitig, so Josa Mania-Schlegel, gibt es in Leipzig um die 12.000 unbewohnte Wohnungen, von denen aber mindestens die Hälfte bewohnbar wäre. Oft kümmern sich die Hausbesitzer einfach nicht mehr um die Wohnungen oder Häuser, da es sich vielleicht nicht mehr rentiere, sagt der Journalist.

"Jeden Tag laufen hier Menschen an Häusern vorbei, die dem Verfall preisgegeben sind und sehen gleichzeitig, wie ihre eigenen Mieten steigen."
Josa Mania-Schlegel, wohnt in Connewitz und ist Chefreporter der Leipziger Volkszeitung

Die Menschen müssen immer mehr Geld fürs Wohnen ausgeben und sehen sich gleichzeitig von verfallenden Häusern umgeben - das ist ein großer Widerspruch, so der Journalist. Nun haben sich die Fronten extrem verhärtet.

Steigende Mietpreise in ganz Deutschland

In vielen deutschen Städten, vor allem den hippen Metropolen, steigen die Mieten schon seit Jahren. Auch die Corona-Krise brachte nicht die erhoffte Entspannung am Wohnungsmarkt. Gleichzeitig steigen die Löhne langsamer als die Mieten. Auch in anderen Städten brechen deshalb immer wieder Konflikte auf, wie etwa derzeit in Hamburg.

„Ich glaube, dass wahrscheinlich 99 Prozent der Connewitzer diese Gewalt verurteilt. Es gibt hier Bewohner, die zerren dann die brennenden Barrikaden von der Straße. Die rufen auch schon mal 'Haut ab!'"
Josa Mania-Schlegel, wohnt in Connewitz und ist Chefreporter der Leipziger Volkszeitung

Dass dieser Konflikt in Leipzig nun mit den Ausschreitungen in Connewitz so stark eskaliert ist, liegt auch an der Geschichte des Viertels, erklärt Josa Mania-Schlegel. Bereits in den Wendejahren wurden hier Häuser besetzt. Da sich die Polizei nach der Wiedervereinigung nicht so schnell neu organisieren konnte, kam es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Connewitzer Hausbesetzern und "Faschos und Nazis", die die besetzten linken Häuser angegriffen haben, so der Journalist aus Leipzig. Das Viertel habe gelernt, sich zu wehren.

Die Connewitzer verurteilen diese Gewalt, sagt der Chefreporter der Leipziger Volkszeitung, allerdings wollten sie über die Ursache der Eskalation sprechen und darüber, wie man die beheben könnte.

"Wenn sie sich in dem Viertel umhören, dann werden sie Leute treffen, die gar nicht so viel darüber reden wollen, warum die Gewalt jetzt eskaliert, weil das weiß eigentlich jeder, sondern die wollen eigentlich darüber reden, wie man das verhindern könnte.“
Josa Mania-Schlegel, wohnt in Connewitz und ist Chefreporter der Leipziger Volkszeitung

Josa Mania-Schlegel glaubt, man hätte man schon lange kommen sehen können, dass die Lage irgendwann eskalieren würde. Die Reaktion auf die Hausbesetzungen in Leipzig derzeit sei nicht besonders zielführend, weil die Fronten eben schon so verhärtet seien.

Eigentlich wäre es spätestens jetzt an der Politik, Lösungen anzubieten, um den angespannten Immobilienmarkt unter Kontrolle zu bekommen. Und das gilt womöglich nicht allein für Leipzig, wo die Lage bereits eskaliert ist.