Seit gut eineinhalb Jahren stehen die Clubs still. Wenn nicht bald wieder getanzt werden darf, können viele wohl nie wieder öffnen. In Leipzig wurde deshalb ein Modellprojekt gestartet, mit dem herausgefunden werden soll, wie Clubbing trotz Pandemie sicher funktionieren kann.

Kein Masken mehr, keine Abstandsregeln. Stattdessen in einer Menschenmasse tanzen, sich für den nächsten Drink an die Bar schlängeln und sich beim letzten Lied gegenseitig in den Armen liegen – davon träumen viele von uns seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

Jetzt ist dieser Traum für 200 Menschen wahr geworden, die Teil eines Modellprojektes des Vereins Kreatives Leipzig sind. Für vier Wochen soll an mehreren Kulturstätten in Leipzig getestet werden, wie Kultur trotz Pandemie wieder stattfinden kann.

So auch im Club Distillery, wo nun 200 Testpersonen ausgelassen und ohne AHA-Regeln feiern gehen und damit die Pandemie für ein paar Stunden hinter sich lassen dürfen. Ein komplexes Corona-Testsystem begleitet den Prozess.

Testen - Warten - Feiern

So lange hat sich Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Fanny Kniestedt noch nie auf eine Clubnacht vorbereitet. Nach der Ticketbuchung für den Club muss sie sich erstmal um ihre Corona-Testtermine und die entsprechenden Apps kümmern.

Sechs Stunden vor Einlass kommt sie dann das erste Mal zusammen mit den anderen Teilnehmenden in die Distillery. Erst müssen sie einen Antigentest machen, ist dieser negativ, dürfen sie weiter zum PCR-Test. Die Teilnehmerin Bella stört der komplexe Testlauf kaum, sie ist voller Vorfreude auf den Abend und hofft auf ein negatives Testergebnis.

"Ich bin mega happy und finde es auch richtig cool, dass heute wahrscheinlich die 200 Leute kommen, die am meisten Bock haben zu feiern."
Bella, Teilnehmerin des Club-Testlaufs in Leipzig

Fannys Antigentest ist negativ – sie darf nun weiter zum PCR-Test. In der Draußen-Lounge des Clubs erwartet sie Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut. Er hat allerdings kein Stäbchen für Nase und Mund parat, sondern nur ein Röhrchen, in das Fanny nach 25 Sekunden Wassergurgeln reinspucken muss.

Das ist eine neue Art des PCR-Tests, die Svante Pääbos Abteilung entwickelt hat. Sie ist angenehmer für die getestete Person, dazu aber immer noch aussagekräftiger als der Antigentest und schneller als die herkömmlichen PCR-Tests mit Stäbchen. Und er ist mobil, die Teststation kommt also zu den Menschen und nicht umgekehrt.

Bis zu 25 Proben können mit dieser Methode gleichzeitig getestet werden. So kostet ein Test nur noch fünf Euro.

Eine Perspektive für die Clubszene

Um 19 Uhr abends bekommt Fanny dann ihr negatives Ergebnis und damit die Erlaubnis zum Feiern. Für Steffen Kache, Inhaber des Distillery Clubs, ist das Projekt eine große Herausforderung. Er hofft, dass an diesem Abend der Grundstein für eine neue Öffnungsperspektive für Clubbetreibende gelegt werden wird. Denn lange könnten sie nicht mehr durchhalten.

Ihm sei aber auch bewusst, dass der Aufwand für die Besucherinnen und Besucher bisher noch zu aufwändig ist und vereinfacht werden müsse. Aber genau dafür gibt es ja diesen Testlauf, sagt er.

"Das ist schon eine ziemliche Herausforderung für die Gäste gewesen durch diesen ganzen Testwahnsinn erstmal. Das müssen wir auf jeden Fall vereinfachen."
Steffen Kache, Betreiber des Distillery Clubs

Für die Feiergäste hat sich der komplexe Testvorlauf dennoch gelohnt. Nach ein bis zwei Stunden Zurückhaltung, hat sich die Anspannung gelöst, die Menschen stehen Arm in Arm an der Bar, nippen an denselben Getränken und tanzen ausgelassen. Es fühle sich genauso an, wie man es in Erinnerung hatte, sagt eine Club-Besucherin.

"Es fühlt sich genauso an, wie man denkt, dass es sich anfühlt, wenn man zwei Jahre darauf wartet, endlich zu tanzen mit Leuten."
Teilnehmerin des Projektmodells im Distillery-Club

Nach einer Woche werden alle Teilnehmenden nochmal getestet. Dann wird die Auswertung zeigen, ob sich das Modell bewährt hat und für ganz Deutschland ein Vorbild für die Clubszene sein kann.