Wenn wir in der Pubertät sind, dann fühlen wir uns oft ganz anders als alle anderen Menschen auf dieser Welt. So erging es auch Leona, die, wie sie sagt extrem behütet aufwuchs und eine katholische Mädchenschule besuchte. Doch irgendwann, im Alter von 15 oder 16 Jahren stellte sie fest, dass sich ihre Sexualität komplett anders entwickelte, als die ihrer Freundinnen. Mit dieser Feststellung gingen für die Teenagerin eine Menge Fragen einher, die allesamt unbeantwortet blieben.

Sie habe sich komplett verloren gefühlt, eingeschüchtert von den Gedanken und Fantasien, von denen sie nicht wusste, woher sie überhaupt kamen. Die Art, wie Leona liebt, wird als BDSM (kurz für "Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism and Masochism") bezeichnet, doch das weiß sie damals noch nicht. Die Teenagerin recherchiert im Internet, das, was sie damals dort findet, verstört sie noch mehr. Leona zieht sich weiter zurück.

"Ich bin auf schlimme Dinge gestoßen, die mich komplett verstört haben. Ich dachte 'Das hat doch mit mir und dem, was ich empfinde, überhaupt nichts zu tun.'"
Leona, Autorin

Deshalb sprach Leona mit niemanden darüber. Bis sie Mitte 20 war und einen Partner hatte, mit dem sie ihre Sexualität teilen konnte. Doch viele Menschen würden in Klischees denken, hätten das Bedürfnis sich distanzieren zu müssen, sobald es um ihre sexuelle Identität geht, erzählt Leona.

BDSM: Düster und dunkel?

Ein Streit mit einer Freundin ist ihr dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Die sagte damals zu ihr: "Leona, deine Sexualität ist mir zu dunkel." Das habe sie besonders getroffen sagt sie heute, so etwas fühle sich an "als wäre ich bedrohlich und müsse das am besten verstecken."

Inzwischen hat Leona mehrere Artikel zu dem Thema und mit "Der Defekt" vor Kurzem auch einen Roman über BDSM-Sexualität geschrieben. Sie hadert auch nicht mehr mit sich selbst, was sie aber ihrem derzeitigen Partner, mit dem sie ihre Identität teilen kann, zuschreibt.

"Für mich ist BDSM eine extrem romantische Sexualität, wenn nicht sogar die Romantischste. Das Level an Vertrautheit und Hingabe, dass man leisten muss, um so miteinander umgehen zu können, ist enorm hoch."
Leona, Autorin

Genau dieses realistische Bild ihrer sexuellen Identität, fernab von Klischees aus Büchern wie "50 Shades of Grey" und Filmen wie "Eyes Wide Shut" will Leona nun in die Mitte der Gesellschaft tragen und so heutigen Teenagern der Anlaufpunkt sein, den sie damals gebraucht hätte. "Wenn ich anfange darüber zu sprechen, dann tue ich damit etwas, was für mich damals, als ich eine Teenagerin gewesen bin, hilfreich gewesen wäre."

Wissenswertes über BDSM:

  • Unter dem Begriff BDSM sammeln sich eine Menge einvernehmlich gelebter Praktiken, die mit Macht, spielerischer Unterwerfung und Lustschmerz in Verbindung stehen. Der ältere Begriff Sadomasochismus verbindet Sadismus und Masochismus und beschreibt häufig die physische Seite von BDSM.
  • Lange Zeit betrachteten Psychologen den sogenannten Sadomasochismus als psychische Störung. Inzwischen ist klar: Die sogenannten Paraphilen sind erst einmal sexuelle Neigungen, die von einer vermeintlichen Norm abweichen. Ein Krankheitswert wird ihnen seit 2013 nur noch dann zugeschrieben, wenn sie bei der betroffenen Person mit Leidensdruck einhergehen oder nicht sozial verträglich sind, also die Gesellschaft schädigen.
  • Fantasien über auspeitschen oder fesseln kommen recht häufig vor. Bei einer Umfrage gaben 40 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen an, sich zumindest schon einmal vorgestellt zu haben, jemanden zu schlagen oder auszupeitschen.

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