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Falls ihr gerade eigentlich lernen solltet, es aber aufschiebt, haben wir ein paar Tipps. Denn abwarten und dann unter Druck arbeiten, ist häufig keine gute Lösung. Auch, wenn wir es am Schluss meist irgendwie hinbekommen.

Unter Druck zu lernen oder zu arbeiten, ist nicht gut, denn es führt zu Stress, sagt Tabea Scheel, Arbeits- und Organisationspsychologin an der Universität Flensburg.

Außerdem bleiben keine Zeitpuffer, falls zum Beispiel der Rechner abstürzt. Auch ordentliches Korrekturlesen bei der Hausarbeit fällt meist unter den Tisch. "Ich kann eine Menge Dinge nicht mehr machen, die dazu beitragen würden, dass meine Arbeit auch wirklich gut ist", sagt Tabea Scheel.

"Ich lerne oder arbeite unter Druck tatsächlich weniger gut, weil mein Hirn gestresst ist."
Tabea Scheel, Arbeits- und Organisationspsychologin, Universität Flensburg

Durch das Aufschieben nehmen wir auch in Kauf, dass wir uns in den Wochen vor der Prüfung oder dem Abgabetermin schon nicht wohl fühlen. Oftmals denken wir ja doch fast täglich an die bevorstehende Arbeit. Viele können das gut aushalten. "Aber es gibt Menschen, die dann einen großen Leidensdruck entwickeln", sagt Tabea Scheel.

Strategien gegen das Aufschieben

Man kann trainieren, nicht alles vor sich her zu schieben, sagt die Arbeits- und Organisationspsychologin. Zum Beispiel kann man sich überlegen, die Arbeit besser zu strukturieren. Wir sollten uns auch fragen: Warum schiebe ich das vor mir her? Habe ich keine Lust auf die Aufgabe? Oder fühle ich mich überfordert?

"Man kann sich überlegen, wie man besser mit dem Impuls zu prokrastinieren umgehen kann."
Tabea Scheel, Arbeits- und Organisationspsychologin, Universität Flensburg

Je nach Antwort lassen sich dann Strategien entwickeln. Zum einen können wir "Tagespakete" entwickeln. Das heißt, wir teilen unsere Aufgaben in sinnvolle, kleinere Einheiten. Für einen Tag nehmen wir uns dann nur so viele "Pakete" vor, wie auch wirklich zu schaffen sind. So lässt sich die Arbeit über mehrere Wochen bis zum Ziel gut aufteilen. "Das nimmt Stress raus", sagt Tabea Scheel.

Distanzlernen und Homeoffice laden ein zum Aufschieben

Ansonsten hilft es auch, die Wohnung zu verlassen und woanders zu lernen und zu arbeiten. In der Pandemie ist das nicht möglich.

Tabea Scheel findet, dass Homeoffice, Homeunterricht und Distanzlernen die Prokrastination eher verstärken. "Wir machen zwischendurch so viele Sachen, weil wir abgelenkt sind, dass wir unsere Sachen erst über den Tag ganz spät schaffen. Wenn überhaupt."

"Wir sind sehr unkontrolliert in unseren Homeoffice-Zeiten. Wir brauchen ganz viel Energie, um uns am Riemen zu reißen."
Tabea Scheel, Arbeits- und Organisationspsychologin, Universität Flensburg

Denn das Problem ist zum Beispiel, dass zu Hause weniger Erholung möglich ist. Wir verlassen den ganzen Tag nicht den Ort. Das habe einen Kaugummi-Effekt.

Aber Homeoffice kann auch eine gute Ergänzung sein: Ein bis drei Tage die Woche bieten sich an, wenn jemand gut zu Hause arbeiten kann. Für manche ist der Weg zur Uni, zur Arbeit oder Schule aber auch gut, um eine innere Distanz hinzubekommen.